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78 RPM

Sebastian Gramss’ Fossile 3

gligg records/AL!VE 6130058
(39 Min.)

Mit dem frechen Humor der Kölner Gruppe Underkarl und ihren Laune machenden Collagen aus Kürzeln quer durch die Jazzmoderne machte sich der Kontrabassist und Komponist Sebastian Gramss einen Namen. Nun scheint Gramss dem Diktum des energiegewaltigen Kontrabassisten und Komponisten Charles Mingus zu folgen, der postulierte, dass wenn die Avantgarde zum Mainstream werde, die Hinwendung zur Tradition die angemessene Form der Avantgarde sei, und pries dabei die Vollkommenheit kurzer Soli auf den alten Schellackplatten. Im Trio mit dem Bassklarinettisten Rudi Mahall aus der Berliner Szene und dem holländischen Schlagzeuger Etienne Nillesen besinnt sich Gramss konsequent auf die Tugenden der alten 78er Platten mit ihren maximal dreieinhalb Minuten Laufzeit, innerhalb derer eine Aussage zu erfolgen hatte.
Siebzehn Miniaturen hat Gramss für sein 78er-Projekt geschrieben; die längste dauert 3:44. Kompakt und doch mit Widerhaken swingen die Themen frisch im 4/4-Puls. Erinnerungskrümel an Evergreens und Standards werden ausgestreut. Mit Raffinesse geschieht das und ohne vordergründige Vertracktheit. Die originellen melodischen Linien Mahalls fliegen mit der Leichtigkeit eines Altsaxofons. Gramss unterfüttert sie faszinierend mit warm tönenden Linien und Doppelgriffen; die Abwesenheit eines Akkordinstruments lassen sie glatt vergessen. Schlagzeuger Nillesen ist stets hellwach auf dem Punkt, der immer wieder auch eine Pointe ist. Die knapp 40 Minuten Laufdauer entsprechen konsequent der Aufmerksamkeitsspanne für dieses Programm der Konzentration und Verdichtung.

Thomas Fitterling, 12.10.2013



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