Coverschelte scheint – zumindest bei RONDO – "in" zu sein, und sie hat auch schon so manches Missfallen bei den Lesern erregt. Aber das Cover ist (wie der Einführungstext im Beiheft) Teil einer CD-Veröffentlichung und somit auch Gegenstand der kritischen Betrachtung. Warum ziert Kaiser Franz I. das Cover einer CD mit Mozarts c-Moll-Messe? Mozart und der 1765 verstorbene Habsburger waren gerade mal die ersten neun Lebensjahre des Komponisten Zeitgenossen!
Die Lieblosigkeit des Covers setzt sich in der Interpretationsqualität fort: recht gut einstudiert und hörenswert sind nur die Chorabschnitte, in denen Mozart in kühnem Rückgriff auf seine Bach- und Händelstudien tatsächlich so etwas wie Neobarock auf die Beine stellt. Dass in der Mozart-Literatur die den Chorpassagen gegenüberstehenden galant-opernhaften Soloteile dieses Kirchenwerkes hinsichtlich kompositorischer Qualität eher abgetan werden, heißt nicht, dass man sie – wie hier geschehen – mit drittklassigen Sängern besetzen muss. Die Sopranistin Viktoria Loukianetz hat im Rahmen einer großen koloraturreichen Arie die Menschwerdung Christi zu besingen ("Et incarnatus est") – zentrales Thema der katholischen Liturgie und auch Zentralpunkt des Werkes.
Leider können sich Dirigent und Solistin in diesem langsamen Stück auf keinen gemeinsamen Puls einigen, und so zerbricht das weiche Gewebe von wiegenden Streichern, Holzbläserarabesken und Stimme mehrmals – auch wegen großer Probleme der Sängerin im Registerwechsel. Immerhin: Mit dem reinen Chor-Kyrie d-Moll KV 341 (Fragment einer nie vollendeten Messe) bietet die CD in befriedigender Qualität ein selten zu hörendes Kirchenmusikstück Mozarts.

Oliver Buslau, 26.10.2000



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