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Nils Petter Molvaer, Moritz von Oswald

Emarcy/Universal 3743670
(68 Min.)

Schließen Sie die Augen. Schweben Sie in den bis zum Horizont reichenden Klangflächen mit, lassen Sie den Puls des Synthibasses auf sich wirken und träumen Sie mit der elektronisch modifizierten, meist mit Dämpfer geblasenen Trompete. Nils Petter Molvaer, 1998 mit der Platte „Khmer“ ein Wegbereiter der Verschmelzung von Jazz, Techno und Ambient, hat den damals eingeschlagenen Weg konsequent fortgesetzt. Diesmal bereitet der Digitalkünstler Moritz von Oswald den Teppich, auf dem Molvaer sehnsuchtsvoll und selbstvergessen meditieren kann. Die beiden lassen sich Zeit – warum auch sollten sie auf rasche Beats setzen? Hektik gibt es genug in dieser Welt, aber Ruheräume, in denen kein Ton zu viel gespielt wird und die Hörer durch Wechsel in der Tonfärbung, durch veränderliche Sounds, durch Pulsänderung oder durch Geräusche ständig neue Anregungen empfangen, sind rar.
So gibt es Momente, in denen gering modifizierte Variationen des bereits Gehörten den Gedankenfluss bremsen, und andere, in denen unerbittlich pulsende Beats den Taktschlag der Rezeption bestimmen. Minimalismus und Trance kommen hier zusammen, und in Molvaers Trompetensounds paaren sich ein Hauch des kühlen und doch melancholischen Klangs von Miles Davis mit den verhallten, schwer zu ortenden Flächen, die für Jon Hassels Sphärenreisen typisch sind. Dabei gehen die acht Titel nahezu bruchlos ineinander über. Obwohl Tempi und Thema wechseln, bleibt über die verwendeten Sounds ein vages Bindeglied. Selbst die ausebbende Schlusssequenz des letzten Titels „Noise 2“ bildet – sofern man die CD wieder von Anfang hört – einen stimmigen Übergang zu den langsam aus dem scheinbaren Nichts entstehenden, weiträumigen Eröffnungsklängen der Startnummer „Noise 1“.

Werner Stiefele, 05.10.2013



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