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Azur

Gary Peacock, Marilyn Crispell

ECM/Universal 3708869
(59 Min., 1 & 2/2011)

Immer wieder waren sie miteinander auf Tour, die Pianistin Marilyn Crispell und der Kontrabassist Gary Peacock. Zwei Seelenverwandte, die in der beschaulichen Gegend von Upstate New York leben, wo auch diese sensible Begegnung der beiden stattfand. Der 78-jährige Peacock spielte einst in der legendären, radikal expressiven Formation der Free Jazz-Legende Albert Ayler, und Crispell (66) kam über John Coltrane und Cecil Taylor zum Jazz. Später entdeckte sie eine neue Innerlichkeit für sich, für die Paul Bley und Bill Evans wichtig wurden – zwei Pianisten, mit denen auch Peacock intensiv zusammengearbeitet hat. Beider Hinwendung zum Buddhismus und seinen Meditationstechniken prädestinierte sie weiter als Idealduo. Jetzt endlich konnten sie die Früchte ihrer weit zurückreichenden Zusammenarbeit dokumentieren.
Sie tun das auf dieser strikten Eigenproduktion ganz unspektakulär mit einem Programm aus tiefer Versenkung in die Musik und ungeheuer intensivem, feinsinnigem Aufeinander-Hören. Dieses quasi mentale Virtuosentum vollzieht sich in der Konzentration auf die eine, den Partner weiter tragende, komplementäre Linie, auf den idealen Akkord. Das ist in den fest umrissenen, doch improvisationsoffenen Kompositionen der beiden ebenso spannend, wie in den antiphonisch angelegten, ad hoc total improvisierten Stücken. Selbst die beiden unbegleiteten Klavier- bzw. Basssoli sind von dem intuitiven Geist des gemeinsamen Projektes durchdrungen. Strenge Klarheit der Melodieführung, tiefgründige Harmonik und warmtönende Abgeklärtheit machen „Azur“ zu einem Meisterwerk der Duo-Kunst.

Thomas Fitterling, 28.09.2013



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