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Big Sur

Bill Frisell

Okeh/Sony 88883717382
(65 Min., 3/2013)

Nicht erst jetzt offenbart der 62-jährige Gitarrist Bill Frisell seine Affinität zu Country und Blue Grass. Zwar an der Ostküste geboren, wuchs er einst in Denver auf, bevor er nach seiner Ausbildung am Bostoner Berklee College of Music zum Inbegriff des New Yorker Downtown-Gitarristen wurde. Mit einer für sein Instrument eher untypischen Lakonik, aber einem hochsensiblen Sinn für schwebende und abgedrehte Sounds war er bis zu dessen Tod der ideale Weggefährte von Paul Motian, des epochalen Schlagzeugers und Magiers großartiger sparsamer Melodien und Klänge – und auch er ein Bekenner der Blue-Grass-Tradition der Americana.
Bill Frisells Einstand bei dem wiederbelebten Jazzlabel Okeh ist ein umfassendes Bekenntnis zu dieser universalen Americana. Im vergangenen Jahr erteilte ihm das Monterey Festival einen Kompositionsauftrag, der die kalifornische Küstenregion Big Sur porträtieren sollte. Dazu lud es ihn in eine einsame Ranch der Gegend. Neunzehn Programm-Miniaturen entstanden dort für eine eigens zusammengestellte Band. Mit Bill Frisell (Gitarre), Jenny Scheimann (Geige), Eyvind Kang (Bratsche), Hank Roberts (Cello) und Rudy Royston (Schlagzeug) ist sie äußerst ungewöhnlich besetzt, und ungewöhnlich ist auch die Musik: Minimal Music klingt an; häufig bestimmen Ostinati die suggestiven Bilder; oft entspricht die Stimmführung eher der einer hippen Rockband; klassische Jazzsoli kommen so gut wie gar nicht vor; und immer ist da dieser ganz entspannte Klang, der Country und Western atmet und bei dem Frisell ‒ und mit ihm Amerika ‒ zu sich selbst zu kommen scheint.

Thomas Fitterling, 17.08.2013



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