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Zollers Expeditions Orkest

Spielvereinigung Sued

Mons Records (Sunnymoon) MR 874 546
(63 Min., 2012)

Unter einer „Spielvereinigung Sued“ stellt man sich eher eine Fußballmannschaft als eine Bigband vor. Und tatsächlich spielte der Fußball eine Rolle bei der Entstehung der Großformation, denn 2007 verloren Jazzstudenten aus Leipzig bei einer Studienreise einen Kick gegen Waisenkinder aus Mexiko. Das schweißte zusammen. Mit ihren Instrumenten schaffen sie, was ihnen wohl beim Fußball nicht gelungen war: Sie schieben sich die Motive zu, treiben sie auf die Spitze, sichern sich ab, folgen einem gemeinsamen Puls, einer funktionierenden Spielidee. Die unterscheidet sich von den Konzepten herkömmlicher Bigbands, denn sie schichtet komplexe Rhythmen, setzt Wiederholungsfiguren gegeneinander, lässt Raum für Ausbrüche, kombiniert Individuelles zu clever verschachtelten Bewegungen. Der Baritonsaxofonist, Bassklarinettist und Komponist Thomas Zoller schrieb neun Titel für die Band, drei davon mit Gesang. Seinem eigenen Hobby, dem Spiel auf Burmagongs und Schieferplatten, räumt er zwei gut ins Bandgeschehen integrierte Solopassagen ein. Mike und Kate Westbrooks schräge Sounds mögen ihn beeinflusst haben, aber er kopiert nicht, was die Briten vor Jahrzehnten im Zwischenfeld aus komponierter Musik, freier Improvisation und konzertanter Performance entwickelt haben. Dabei bürsten die Leipziger tradierte Elemente des Bigbandjazz vergnügt und frisch gegen Strich, bereichern sie mit neuen, eigenen Klangkombinationen, integrieren Überraschungsmomente: ein Vergnügen, wenn man sich Zeit zum Hören nimmt. Aus dieser Komplexität entsteht das Dilemma der aktuellen Jazzszene: Eigentlich sind die Werke dem Unterhaltungsbetrieb der Klubs entwachsen. Sie gehören in Konzertsälen aufgeführt, in denen überwiegend Kammermusik präsentiert wird.

Werner Stiefele, 03.08.2013



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