So vielversprechend und begeisternd der Mozart-Zyklus des Chamber Orchestra of Europe unter Yannick Nézet-Séguin letztes Jahr mit "Don Giovanni" begonnen hat, so enttäuschend wird er mit "Così fan tutte" fortgeführt. Der Start mit einem hochkarätigen Sängeraufgebot war wohl so kostspielig, dass man bei der zweiten Oper entsprechend sparen musste. Es wird zwar zumeist sehr gut gesungen, allerdings ohne Charme, ohne Witz, ohne echte Anteilnahme. Noch nicht einmal in den Rezitativen gelingt es den Solisten, ein bisschen Interesse zu wecken.
Miah Persson ist schlicht keine Fiordiligi, dafür fehlt ihr nicht nur die Tiefe, sondern vor allem der Aplomb. Auch Angela Brower (Dorabella) und Mojca Erdmann (Despina) – obwohl vokal tadellos – mangelt es an Persönlichkeit und Entschiedenheit. Über den Ferrando von Rolando Villazón, der ebenso matt und monochrom daherkommt wie sein Ottavio, breitet man besser den Mantel des Schweigens. Man erahnt nur zu gut die Reichweite der Drohung, der Mexikaner werde alle Tenorpartien in diesem Zyklus übernehmen. Adam Plachetka steuert einen einwandfreien Guglielmo bei, Alessandro Corbellis stimmlich etwas flacher Don Alfonso überzeugt als einzige Figur darstellerisch.
Auch wenn sich die Kritikpunkte an den gesanglichen Leistungen im Rahmen halten, muss man doch feststellen, dass eine so gesichtslose und austauschbare, schlicht langweilige "Così" absolut entbehrlich ist und in dem gut sortierten Feld von überzeugenden Aufnahmen keine Überlebenschancen besitzt.

Michael Blümke, 02.08.2013



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