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Chants

Craig Taborn

ECM/Universal 3724543
(65 Min., 6/2012)

Mit Chants, dem ersten Klavier-Trio-Album Craig Taborns (Jahrgang 1970) für Manfred Eichers Label sendet ECM ein wirkmächtiges Signal in die Jazzwelt. Taborn ist strukturierender Komponist mindestens ebenso sehr wie Improvisator. Er schafft klar umrissene Kontexte, mit und aus denen die Individuen der Gruppe dann die Musik gestalten. Konsequenterweise ist für ihn die Auswahl der Musiker die alles entscheidende kompositorische Komponente. Das erinnert an das fast gleichlautende Bekenntnis des Saxofonisten Steve Lehman in RONDO 5/12.
In der Tat wirkt Taborns Klavier-Trio-Musik mitunter wie ein Analogon zu Lehmans Bläsertrio. Bei beiden gibt es diese aberwitzige Power ganz selbstverständlich wirkend ausgespielter, sich hochkomplex überlagernder rhythmischer Patterns und eine bei aller Noch-Sangbarkeit eigenwillig abstrakte Melodieführung. Die korreliert im Falle des Pianisten oft mit einer komplementär ostinaten oder gegenläufig kontrapunktisch angelegten Linienführung in der linken Hand. Die meisten seiner Chants sind von energetisch dichter Textur, und dennoch gelingt es Thomas Morgan am Kontrabass und vor allem Taborns langjährigem Weggefährten Gerald Cleaver am Schlagzeug, darin freie Räume nahezu luftig zum Erblühen zu bringen. Dann gibt es weiträumig Balladenhaftes, in dem ausgerechnet das Schlagzeug zum betörenden Solisten wird. Andere wiederum haben eine nahezu minimalistische Zirkulärstruktur; ein Schuft, wer angesichts des großen Gesamtwurfes bei diesen dann gelegentlich an verpasste Ausfahrten aus einem Kreisverkehr denkt.

Thomas Fitterling, 20.07.2013



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