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Wolfgang Amadeus Mozart

Konzert für Flöte, Harfe und Orchester, Klavierkonzert Nr. 19 & Klaviersonate Nr. 16 arrangiert für Harfe

Xavier de Maistre, Magali Mosnier, Mozarteumorchester Salzburg, Ivor Bolton

Sony 88765439922
(64 Min., 2/2013)

Es war schon ein mutiger Schritt, seine Festanstellung bei den Wiener Philharmonikern gegen das Leben als Freiberufler einzutauschen. Denn Harfenisten gehören nicht gerade zu den Darlings von Konzertveranstaltern. Nun hat sich der Franzose Xavier de Maistre seit seiner 2010 eingeschlagenen Solo-Karriere überraschend schnell einen Namen gemacht und sogar einen festen Vertrag bei einem Branchenriesen. Was jedoch das Repertoire angeht, ist de Maistre (vorerst noch) kein Überraschungstäter. Angesichts kaum wirklich origineller Konzertstücke muss er sich da mit Arrangements behelfen, um die Harfe als vollwertiges Solo-Instrument etablieren zu können. Bei seiner letzten Aufnahme mit Haydn-Konzerten ist das noch geglückt. Aber mit seinem Mozart-Album hat de Maistre nun fast durchweg wieder alle alten Klischees aufgefächert, die dem Vielsaiter lange wie Pech anhafteten. So bietet seine Einrichtung von Mozarts Klaviersonate C-Dur KV 545 das übliche hübsche Gefunkel und jene liebreizenden Arabesken, die gerade mal Weihnachten oder Warteschleifen versüßen können.
In die pianistische Solistenrolle eines Klavierkonzerts kann die Harfe darüber hinaus erst recht nicht schlüpfen. De Maistre bietet bei Mozarts 2. Krönungskonzert F-Dur KV 459 zwar alles auf, was seine glänzend funktionierenden Finger hergeben. Er kann unendliche Triller wie im Laufrad runterspulen. Seine Gesanglichkeit ist ausgenommen tonschön, und auch an Esprit fehlt es ihm nicht. Trotzdem bewegen sich Harfe und Orchester wie in zwei Welten, und das ausgerechnet in einem Konzert, in dem Mozart den gegenseitig sich befruchtenden Dialog zum oberstes Prinzip erklärt hat. Doch das von der Harfe vorgebende Thema im Finalsatz bleibt nur eine reine Nettigkeit – angesichts des eigentlichen Hauptakteurs, des Mozarteumorchesters Salzburg unter Ivor Bolton. Kaum hat man mit dem vierstimmigen Fugato der Harfe stolz und beschwingt ihre Grenzen aufgezeigt, wünscht man sich, dass sich daraus vielleicht doch eine reine Sinfonie entwickeln möge.
Immerhin im zentralen Stück, Mozarts Doppelkonzert für Flöte und Harfe, weiß de Maistre zusammen mit der herrlich aufblühenden Flötenstimme von Magali Mosnier für vieles zu entschädigen. Einen Originalitätspreis für dieses Mozart-Programm wird er dennoch nicht bekommen.

Reinhard Lemelle, 20.07.2013



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