Wer rechtzeitig plant, kann im Medienkarussell des Jubiläumsjahres mitmischen. So dachten wohl auch die Oper Frankfurt und ihr GMD Sebastian Weigle und nahmen schon im Mai 2010 mit dem "Rheingold" einen neuen "Ring" in Angriff, der nach und nach auf CD veröffentlicht wurde und gerade auch komplett auf DVD erschienen ist. Jeweils im Wonnemonat der Folgejahre setzte man dann konzertante Aufführungen der drei frühen Wagner-Opern aufs Programm: 2011 "Die Feen", 2012 "Das Liebesverbot" und in diesem Frühjahr "Rienzi". Auch diese Abende wurden von Oehms Classics aufgenommen.
Nun sind CD-Mitschnitte dieser selten zu hörenden Werke sehr willkommen, doch leidet diese "Liebesverbot"-Produktion unter einem gehörigen Missverständnis. Etliche Solisten wurden nach Wagner-Kriterien ausgewählt, wo sie in diesem Fall doch viel mehr an Donizetti geschult sein müssten. Immer wieder mangelt es daher an der nötigen Lockerheit und Beweglichkeit, vieles klingt allzu kompakt und gepresst, schnelle Noten bereiten nicht selten Mühe, man vermisst eine gewisse Eleganz der Stimmführung. Davon abgesehen hinterlässt Christiane Libor als Isabella einen sehr positiven Eindruck, steuert auch dramatischen Furor und eindrucksvolle Spitzentöne bei. Die zweite große (und enorm anspruchsvolle) Partie des Abends allerdings ist grausig fehlbesetzt. Peter Bronder bringt mit seiner Mime-Stimme nichts mit, was seinen Einsatz als Luzio rechtfertigen würde, er verleidet dem Hörer vielmehr wesentliche Teile der Oper. Auf den für 2014 angekündigten "Rienzi"-Mitschnitt sollte man sich deshalb nicht zu sehr freuen – da nämlich singt Bronder die Titelrolle.

Michael Blümke, 06.07.2013



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