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Spirityouall

Bobby McFerrin

Sony 88765456862
(51 Min.)

Spirituals sind religiöse Lieder. Bobby McFerrin ist ein Stimm-Magier. Auf „Spirityouall“ stellt er seine überragenden Fähigkeiten in den Dienst, uns alle zu spiritualisieren. Ob das wohl klappt? Einerseits entschlackt er die Songs vom Klangvolumen der Gospelchöre. Außerdem verzichtet er auf das Pathos, mit dem sie einst Paul Robeson interpretierte. Dem steht gegenüber, dass sich seine Neufassungen an den Songs der Singer-Songwriter und an Popsongs orientieren – und dabei geht der Inhalt der Texte hinter der farbenprächtigen Instrumentalumgebung „verschütt“. Zudem wirken seine virtuosen Fassungen oft, als handle es sich um belanglose Poptexte, an denen er vor allem seine großartige stimmlicher Eleganz, die Fähigkeit zu sensationellen Tonsprüngen und wunderbaren Klangfärbungen demonstrieren wolle.
So scattet er in „Joshua“, dem Song über die Belagerung Jerichos, wie einst Cab Calloway in „Minnie The Moocher“, und „Fix Me Jesus“ hat Zwischenpassagen, die auch in jeden anderen Countryblues passen würden. In „Everytime I Feel The Spirit“, „Swing Low Sweet Chariot“ und „He’s Got The Whole World In His Hand“ steht ihm Esperanza Spalding zur Seite, wobei sie die feminine Form “She’s Got The Whole World In Her Hand” singt. Einige Neuschöpfungen McFerrins ergänzen das traditionelle Material. Für beide gilt dasselbe: Sie verbinden – frei von Patina und Staub – Gospel, Country, Irish Folk und Pop. Dabei ging allerdings eine wesentliche Qualität der Spirituals verloren: Bei McFerrins Neufassungen kann keine Kirchengemeinde mitsingen. Andererseits haben sie eine neue Eigenschaft gewonnen: Sie lassen sich wunderbar neben anderen Tätigkeiten hören.

Werner Stiefele, 06.07.2013



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