Responsive image
Nicolas Chédeville, Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi u.a.

La Follia - „The Triumph Of Folly“

ensemble oni wytars

dhm/Sony 88765449782
(62 Min., 10/2011)

Die Trackliste dieser CD erinnert ja ein wenig an die Speisekarte eines traditionellen italienischen Restaurants ‒ nur dass hier statt der Pizza die Follia als Grundrezept verbacken wird. Dass einem bei dem sukzessiven Genuss von „Follia Gaitata“, „Follia Tamburellata“, „Follia Pizzicata“, „Follia Organata“etc. übel werden könnte, steht allerdings nicht zu befürchten. Für Abwechslung zwischen den Variationen über das berühmte kreisende Harmonieschema der barocken Follia sorgen zum einen traditionelle italienische Volksgesänge, in deren Melodik oft noch die Nähe Italiens zur arabischen Welt anklingt und deren Texte, die von Spaß am poetischen Nonsens zeugen, schön rotzig und mit leicht sonnenverbranntem Timbre vorgetragen werden.
Sowohl in den Follien der alten Meister Vivaldi, Corelli, Uccellini und ihrer Kollegen wie auch zwischen den komponierten Stücken nehmen sich die Mitglieder des ensembles oni wytars Raum für individuelle Improvisationen – und die fallen bei einer Besetzung mit apartem polyfoniefähigem Dudelsack, Maultrommel, Schlüsselfiedel, Drehleier, Orgel, Gitarre, Zink, Harfe, Blockflöten, Gambe und diversen Schlaginstrumenten denkbar deftig und vielfältig aus. Zum freien Umgang mit den komponierten Vorlagen gehört auch, dass sie zum Teil mit historischen Versen unterlegt werden, die sich natürlich passend mit Torheit und Narretei befassen. Das macht das Album nicht nur durchhörbarer, sondern verleiht auch allzu bekannten Dauerbrennern wie Vivaldis Sonata „La Follia“ eine frische, aber durchaus stimmige volksmusikalische Note. So vielfältig die Beläge, mit denen oni wytars ihre Follien variieren und so pikant Klangfarben und Rhythmen, mit denen sie das Ganze würzen – alles ist so stimmig abgeschmeckt, dass man dieses Album als authentische Fortschreibung einer alten Tradition genießen kann.

Carsten Niemann, 29.06.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top