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Johannes Brahms

Die Violinsonaten

Sergey Khachatryan, Lusine Khachatryan

naïve/Indigo 979752
(75 Min.)

Ab den ersten Takten der 1. Violinsonate von Johannes Brahms wird das Konzept überdeutlich, mit dem das armenische Geschwisterpaar Sergey & Lusine Khachatryan die insgesamt drei Sonaten ausleuchten wird. Trotz des einnehmend tröstlichen Zaubers gibt sich sogleich der lyrische Dauergrübler Brahms zu erkennen. Und fortan geben die dunklen Stimmungswolken nur minimale Schlupflöcher frei, durch die nur kurz aufhellendes Sonnenlicht hineinfallen kann. Violinist Sergey und Pianistin Lusine Khachatryan verabreichen einem da Melancholie in einer Überdosis.
Trotzdem ist es nicht angesagt, bei dieser Aufnahme Trübsal zu blasen. Denn die Khachatryans wissen nicht nur um die entscheidenden Unterschiede zwischen Gefühl und Pathos, zwischen Sentiment und Sentimentalität. Während Sergey Khachatryan mit einem ungemein schlanken, vibratoarmen Ton es schafft, selbst das heftigste Espressivo immer noch sinnlich atmen zu lassen, erweist sich Lusine Khachatryans Spiel als körperreich auch in der dynamischen Variabilität. So kann man mit Herz und eben auch Verstand mitverfolgen, wie diese hochqualifizierte Partnerschaft einerseits die Brahms´schen Seelenschluchten auskundschaftet. Zugleich schafft man es, jenen Komponisten ins Licht zu rücken, der auf engstem kammermusikalischem Raum die Kunst beherrschte, das streng Konstruierte und den freien Ausdruckswillen zu einem großen Ganzen zu formen. Aber ziemlich gegen Ende der Einspielung werden auch solche Errungenschaften zweitrangig. Denn das „Adagio“ der d-Moll-Sonate lassen Sergey & Lusine Khachatryan einfach mit einer Innigkeit dahin strömen, dass man sich kaum zu bewegen wagt.

Guido Fischer, 29.06.2013



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