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Francesco da Milano

Lautenwerke

Paul O’Dette

harmonia mundi HMU 907557
(77 Min., 8/2011)

In der Renaissance konnte jeder Lautenist beim Publikum punkten, wenn er auch bekannte Tänze und Lieder auf seinen Mehrsaiter übertrug und darüber mit allem improvisierte, was Fantasie und Finger hergaben. Glücklicherweise gehörte Francesco da Milano zu denjenigen, die ihre Künste auch für die Nachwelt festhielten – mit seinen in Lautentabulatur intavolierten Lied-Sätzen. Erstaunlicherweise finden sich in den über 120 Lautenwerken des als „Il Divino“ vergötterten Italieners jedoch keine Zeugnisse seiner instrumentalen Tanzsätze. Der amerikanische Lautenist Paul O’Dette hat sich davon aber nicht beeindrucken lassen. Stattdessen hat er bei seiner Einspielung von ausgewählten, immerhin 36 Fantasien, Ricercare und Intavolierungen aus der Not eine Tugend gemacht und so mancher Chanson-Fassung einfach eine Extra-Portion tänzerischen Drive mitgegeben.
O’Dette ist an seinem sechschörigen Lautenbachbau, dem ein Renaissance-Instrument von Magno Tieffenbrucker Modell stand, aber nicht nur ein behände zu Werke gehender Springteufel. Er weiß ganz genau, wie man kontrapunktische Finesse und harmonisches Raffinement in eine Klangwelt verwandeln kann, in der Empfindsamkeit, gedankliche Tiefe und nicht zuletzt betörende Schönheit miteinander wetteifern. Und ganz zum Schluss fragt man sich nur noch: diese Musik soll wirklich schon über 500 Jahre alt sein?

Guido Fischer, 15.06.2013



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