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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



Raritätenbonus kann ein neuer “Don Giovanni” bei derzeit etwa dreißig konkurrierenden Aufnahmen kaum für sich beanspruchen. Was er dagegen unbedingt liefern muss, ist eine schlichte Rechtfertigung seiner Existenz durch vokale, instrumentale oder darstellerisch-ausdruckshafte Leistungen. Eine derartige Rechtfertigung gelingt Claudio Abbados Einspielung nicht. Der Eindruck, daß hier zugunsten einer gefälligen Unverbindlichkeit insgesamt Extreme vermieden werden, betrifft sowohl die gesangliche als auch die orchestrale Seite dieses “Don Giovanni”. Dabei spielt das Europäische Kammerorchester mit gewohnter Präzision und großer Tonschönheit, zumal der Bläser; größere Pegelschwankungen in Dynamik und Nachempfindung werden von Abbado jedoch (bewusst?) vermieden.
Simon Keenlyside gibt einen Don Giovanni, der sehr ordentlich, aber auch ein bisschen flach singt - und der, das vor allem, mit seinem nasal-belegten Timbre bei der vokalen Schönheitskonkurrenz weit hinter seinem Domestiken Leporello (Bryn Terfel) landet. Carmela Remigios Donna Anna wirkt eher brav und unverletzt denn verstört, und Soile Isokoski agiert als Donna Elvira zwar stimmschön und höhensicher, dafür jedoch ohne jenen bedingungslosen Furor, der dieser noch tief in der barocken Operntradition verwurzelten Figur anhaftet. Ildebrando d'Arcangelo als Masetto lenkt seine Eifersucht in gemäßigte Bahnen; der rollengemäß blass wirkende Uwe Heilmann (Don Ottavio) krankt an Verfärbungen und Engen der Stimme, und Patrizia Pace gibt eine eher reife, in der Höhe etwas zu massive Zerlina. Daß auch der (sicherlich schön gesungene) Komtur Matti Salminens zum Gesamtbild passt, ist allerdings geradezu zwangsläufig: Schließlich muss der tatsächlich vor allem ein Gast aus Stein sein.

Susanne Benda, 30.04.1998



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