Erneut legt der Blockflötist Bart Coen ein thematisch orientiertes Programm vor: 2009 war es das „Neapel-Manuskript“ von 1725, hier ist es nun die Blockflöte in London um 1700. London wird als Schmelztiegel verschiedenster Nationalstile greifbar, die sich auch wiederum gegenseitig beeinflussen; Henry Purcell ist als (für lange Zeit letzter) ureigen englischer Komponist vertreten, Georg Friedrich Händel als der berühmte Wahl-Engländer fehlt freilich auch nicht. Letzterer erinnert mit seiner überaus populären Sonata in a-Moll sicher so manchen Hörer an das eigene Blockflöten- oder Continuospiel. Ähnlich geht es zumindest dem Rezensenten mit Jean-Baptiste Loeillet, der 1705 in London weilte.
Bart Coen erkundet das Repertoire mit der gewohnten Virtuosität und – in puncto Verzierungen – kreativen Raffinesse. Wenn es dem Ausdruck dient, geht er nicht gerade zimperlich um mit dem scheinbar so filigranen Instrument: Der eine oder andere Spitzenton gerät im Affekt beinahe ein wenig forciert. Herman Stinders (Cembalo) und Nicholas Milne (Viola) bewähren sich als ausgesprochen aufmerksame Begleiter, die übrigens auch solistisch zur Geltung kommen: Stinders u.a. mit einer Chaconne von Francis Forcer, die Charles Babel für seinen Sohn William (den berühmten Cembalo-Virtuosen in G. F. Händels Orchester) in eine persönliche Sammlung transkribierte. Und Milne hören wir zusammen mit Stinders in Händels Sonata in g für Viola da gamba und Cembalo. Insgesamt ein rundes, abwechslungsreiches, intelligent aufgebautes Programm, das den barockaffinen Kammermusik-Freund inspiriert und niveauvoll unterhält.

Michael Wersin, 08.06.2013



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