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Diegesis

Bastian Stein

Pirouet/Edel 1018070POU
(44 Min., 7/2012)

Der 1983 in Heidelberg geborene Trompeter und Flügelhornspieler Bastian Stein lebt seit seinem fünften Lebensjahr in Wien, und vielleicht hat das Wiener Umfeld etwas mit der introvertierten Gelassenheit zu tun, mit der der noch relativ junge Musiker bereits altersweise musiziert. Seine Spielweise findet in der Klavierstilistik des drei Jahre jüngeren Pablo Held ihren idealen Widerpart. Wie der Bläser-Leader verfolgt der Bill-Evans-Nachfahr den Ansatz eines Ensembles, bei dem die Mitglieder zuallererst am gemeinsamen Klang der Gruppe interessiert sind und die strikte Rollenaufteilung von Begleitern und Solisten nachrangig ist. Matthias Pichler am Kontrabass und Tobias Backhaus am Schlagzeug vervollständigen das aktuelle Quartett des Trompeters.
Jetzt liegt von dieser Gruppe auf Pirouet, dem Label der neuen Innerlichkeit, ein Album vor, das sich als eine Art „erzählerische Vermittlung“ versteht ‒ so übersetzt Stein den altgriechischen Titel der CD. Man mag dabei an das Parlando eines Tomasz Stanko denken, doch die Tonsprache von Stein bleibt stets gemessen, bricht nicht in flirrende Attacken aus, folgt vielmehr schnörkellos und klar ‒ mit einem an Kenny Wheeler erinnernden Ton ‒ dem mitunter komplexen Duktus des bis auf einen Titel selber komponierten Materials. Die Rhythmen sind balladesk, mal leicht tänzelnd, dann wieder rubatierend. Die Verhaltenheit der musikalischen Rede wird durch die Label-typische Klangmischung unterstrichen; der kristalline Beckensound ist entblendend abgedunkelt.

Thomas Fitterling, 25.05.2013



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