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Cross Culture

Joe Lovano

Blue Note/EMI 6387612
(74 Min., 1/2012)

Mit sechzig ist der Saxofonist Joe Lovano im Zenit seines Schaffens. Seine ungewöhnlich besetzte Band wird seit Jahren von der internationalen Presse gefeiert. Pianist James Weidman hat das moderne Jazzpiano mit den Klassikern Bud Powell und Thelonious Monk verinnerlicht, Esperanza Spalding bzw. Peter Slavov bringen den Kontrabass auf dem rhythmischen Punkt zum Singen, und die beiden Schlagzeuger Otis Brown III und Francisco Mela ergänzen sich trefflich, schaffen bei aller Energie durch eine Art komplementärer Reduktion das jeweils stimmige Ambiente für die Exkursionen des Leaders.
In dreizehn Eigenkompositionen beweist der, dass es möglich ist, aus dem Bebop-Erbe und im Nachgang zu Coltrane und Wayne Shorter in einer ebenso persönlichen wie aktuellen Saxofonsprache fesselnde Geschichten zu erzählen. Am überzeugendsten klingt das, wenn er sich auf dem Tenorinstrument oder dem G-Mezzo-Sopran ausdrückt. Das Aulochrome dagegen, eine Art Doppelsopransaxofon, bleibt gewöhnungsbedürftig. Lovano ist ein Sammler alter Volksinstrumente der Welt. Einige bringt er hier zum Einsatz wie das Taragot, ein klarinettenartiges, ungarisches Holzsaxofon, und verschiedene exotische Perkussionsinstrumente. Das Ganze bleibt diskret farbgebend und vermeidet den weltmusikalisch missionarischen Gestus. Dem würde sich Lionel Loueke, der westafrikanische Gast an der Gitarre auf sechs Tracks, denn auch verweigern. So aber ist sein Spiel trefflich integriert, und der Leader schwärmt von kreativem Fluss, natürlichen Rhythmen und idealer Energie. Wo er Recht hat ...

Thomas Fitterling, 11.05.2013



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