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Johann Sebastian Bach

Arien aus Kantaten, h-Moll-Messe, Matthäus- und Johannes-Passion

Daniel Behle, Anne-Cathérine Heinzmann, Klaus Rothaupt, Collegium Musicum der Göppinger Kantorei

Sony 88765477802
(78 Min., 4/2012)

Während der Hamburger Tenor Daniel Behle live seine Bandbreite als Opern-, Oratorien- und Liedsänger unter Beweis gestellt hat, war er auf dem CD-Markt vorrangig mit romantischem Liedgut präsent. Für seinen Label-Wechsel hat er nun ein reines Bach-Programm zusammengestellt, bei dem sich in den Tenor-Arien immer wieder die Querflöte hinzugesellt. Und gemeinsam mit Flötistin Anne-Cathérine Heinzmann bildet Behle in den zumeist ausgewählten Kantatensätzen ein durchaus reizvolles und beschwingtes Gespann. Gleich in der Arie „Ermuntre Dich“ aus „Schmücke dich, o liebe Seele“ kosten beide mit angenehmer Verve das Entzücken ob der bevorstehenden Wiederkehr Jesu aus. Und in „So schnell ein rauschend Wasser schießt“ (aus: „Ach wie flüchtig“) beeindruckt Behle als fulminant sattelfester Wort-Musik-Exeget.
Leider bleiben diese beiden Arien für lange die einzigen Höhepunkte in einem Recital, dessen eigentliche Hürden sich in den schmerzerfüllten Klagegesängen finden. „Ich habe genug“ aus der gleichnamigen Kantate ist so ein leidvolles Seelenbekenntnis, bei dem zumindest betörende Klangmagie Trost spenden sollte. Nicht aber bei Behle (und der eher bieder mitlaufenden Flötenstimme). Mit opernhaft tenoraler Expressivität wiederholt Behle unablässig seine Ausweglosigkeit, ohne sie mit Leben und Schmerz zu füllen. Diese Diskrepanz zwischen Text und Empfinden zieht sich denn durch nahezu sämtliche Arien. Das erschütternde „Wo wird in diesem Jammertale“ lässt einen völlig kalt. Und die „Frohen Hirten“ (aus dem „Weihnachtsoratorium“) sind einfach blasse Gesellen, denen man das Hoffnungsvolle und Freudige nicht anhört. Gerade bei dieser Arie wird zudem der grundsätzliche Haken an dieser Aufnahme überdeutlich. Mit der vom Tonmeister allzu sehr an die Seite von Behle gerückten Querflöte entsteht eine Gleichförmigkeit, die auf Dauer Bachs unvergleichlich unter die Haut und ins Herz gehende Musik völlig entzaubert.

Reinhard Lemelle, 11.05.2013



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