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Chien Guêpe

Emile Parisien

Laborie/edel 1001411LAE
(40 Min., 2011)

Man kennt den 30-jährigen Saxofonisten Emile Parisien als Mitglied von Daniel Humairs aktueller Gruppe. Der Drummer-Leader hat auch Sylvain Darrifourcq gefördert, der an Schlagzeug und an Zither integraler Teil des Emile Parisien Quartet ist. Zu dieser Formation gehören noch der Pianist Julien Touéry und der Kontrabassist Ivan Gélugne. Bereits seit 2004 spielen die vier zusammen und verwirklichen ihrer Generation adäquat als Kollektiv, was Humair für den Jazz für heute fordert: dass man nämlich bereit sein müsse, eingefahrene Routine zu verlassen, auf Abwege zu geraten, die dann zu neuen, verfeinerten Aussagen führen können. Das Quartett tut dies aus dem Geist des Free Jazz, der aber so gar nichts mit teutonischer Bilderstürmerei zu tun hat, sondern sich dem Dadaismus und dessen humorvoller Seite verbunden weiß. Das kommt schon in den Titeln zum Ausdruck und findet seine Fortsetzung in der von der Pataphysik inspirierten Cover-Gestaltung inklusive Liner Notes.
In der Musik schließlich wird dieser Ansatz zu episch lustvollem Erleben. Musiziert wird weitgehend kollektiv. Immer wieder mutieren geräuschhafte Phasen zu vielschichtig verwobenen Motiven. Selbst in hochenergetischen Passagen sind die vier Stimmen punktgenau aufeinander bezogen. Alles ist durchdrungen von einer clarté lucide, einer hellsichtigen formbewussten Klarheit. Abwege ‒ wenn sie denn welche waren ‒ werden zu sinnfälliger, verfeinerter Aussage, und Höranstrengung löst sich in beglückendem Erleben, das Intellekt und Seele gleichermaßen rührt. Bei der enormen Dichte an musikalischem Material bekommt der Hörer mehr Musik, als auf manch anderer Einspielung doppelter Länge.

Thomas Fitterling, 27.04.2013



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