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Georg Katzer, Philippe Hurel, Robert HP Platz u.a.

Impulse – 24 Uraufführungen

Evan Christ, Philharmonisches Orchester des Staatstheaters Cottbus

Telos/Naxos TLS 166
(153 Min., 9/2009 - 6/2012) 2 CDs

Welches städtische Orchester seine Abonnenten nicht ganz unterfordern und lediglich mit Altbekanntem abspeisen will, der schmuggelt ins Saisonprogramm schon mal ein flammneues Werk ein. Um jedoch den Konzertabend nicht im Eklat münden zu lassen, werden sicherheitshalber Aufträge an Komponisten mit einem gewissen Traditionsbezug vergeben. Ganz anders funktionierte drei Spielzeiten lang in Cottbus der Dialog zwischen Kernrepertoire und Neuer Musik. Mit dem italienischen Komponisten Valerio Sannicandro als Kurator wurde für die insgesamt 24 Sinfoniekonzerte des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters Cottbus jeweils ein kurzes Stück bei Komponisten bestellt, die nicht unbedingt nach dem Hörergeschmack schielen. Dazu gehörten solche bekannten Neue Musik-Namen wie der Australier Sidney Corbett, der Franzose Philippe Hurel und der Stockhausen-Schüler Robert HP Platz. Darüber hinaus wurden aber auch Komponisten wie der Isländer Atli Ingólfsson und der Japaner Hiroyuki Itoh eingeladen, die nur den absoluten Insidern der zeitgenössischen Musik ein Begriff sind.
Lässt man die 24 in Cottbus uraufgeführten, zwischen drei und zehn Minuten dauernden Stücke Revue passieren, die jetzt neu eingespielt wurden, muss man sämtlichen Verantwortlichen zu ihrem Mut und langen Atem gratulieren. Denn angesichts der durchweg erzeugten, avancierten Reibungsenergie, die feinschichtig Mikrotonales, geräuschhaft Monolithisches oder pulsierend Archaisches auslösten, muss es sicherlich in Teilen der Konzertbesucher mächtig geknistert haben. Trotzdem bestand diese Uraufführungsreihe immerhin drei Jahre. Was wiederum dafür spricht, dass das Klassik-Publikum wohl doch anspruchsvoll gekitzelt werden möchte.

Reinhard Lemelle, 20.04.2013



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