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Amsterdam Concert

Miles Davis

In Crowd Records/harmonia mundi ICR 996684
(59 Min., 12/1957)

Aufnahmen von Miles Davis mit europäischen Musikern sind rar. Der Trompeter schätzte zwar die Pariser Luft (und Juliette Greco), doch er wollte sich nicht wie andere Kollegen an der Seine niederlassen. Es gebe zwar auch in Paris „gute, klassisch ausgebildete Musiker“, aber die „hörten die Musik immer noch nicht so wie ein Amerikaner“, stellte er fest; und dies zeigt sich auch am Live-Mitschnitt vom 8. Dezember 1957 aus dem Amsterdamer Concertgebouw mit drei Europäern – dem Saxofonisten Barney Wilen, dem Pianisten René Urtreger, dem Bassisten Pierre Michelot – sowie dem amerikanischen Schlagzeuger Kenny Clarke: Die Hausband des Pariser Jazzclubs St. Germain swingte zwar beachtlich – aber doch um Nuancen steifer als die amerikanischen Partner von Miles Davis, mit denen er Titel wie „Bag’s Groove“, „Walkin‘“, „Round Midnight“ oder „Four“ im Studio eingespielt hatte.
Am 4. und 5. Dezember 1957 hatte er mit seinen europäischen Partnern den Soundtrack zu Louis Malles Film „L´Ascenseur pour l’échafaud“ aufgenommen, nachdem sie schon in den Tagen zuvor gemeinsam aufgetreten waren. So stand beim Live-Mitschnitt eine eingespielte Band auf der Bühne; der Live-Mitschnitt ist ausgereifter als eine Spontan-Session. Zudem bläst Davis mit enormer Spielfreude. Insbesondere, wenn man als Vergleich die Aufnahmen von Davis für das Label Prestige aus den Jahren 1951 bis 1956 heranzieht, bleibt der Niveauunterschied zwischen den USA und Europa noch hörbar. Trotzdem ist der Live-Mitschnitt ein wichtiges Dokument dafür, dass der Jazz schon in den 1950ern eine interkontinentale Musik war. Schade, dass die Aufnahmen in den Höhen zischeln und das Grundrauschen nicht entfernt werden konnte. Gelegentliche Drop-Outs auf einem der Stereo-Kanäle wirken zudem, als sei das Tonband verschmutzt gewesen oder beim späteren Abspielen geknittert.

Werner Stiefele, 06.04.2013



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