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Ein Plädoyer für den Blues

Fritz Rau, Biber Herrmann

Lippmann + Rau/Bellaphon CDLR 666221
(110 Min., 7/2012) 2 CDs

Die Frankfurter Impresarios Fritz Rau und Horst Lippmann brachten den Blues und Jazz in die europäischen Konzertsäle. In einer Veranstaltung des Hessischen Rundfunks erinnert sich Fritz Rau an jene Jahre, in denen Horst Lippmann in den USA nach guten Bluesmusikern recherchierte, die sie seit 1962 in ihrem „American Folk Blues Festival“ präsentieren könnten. Rau, zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 82 Jahre alt, liest überwiegend vom Manuskript oder aus seiner Autobiografie „50 Jahre Backstage“; insofern wirken die Aufnahmen zumindest in den ersten Minuten steif und übertrieben pathetisch. Dessen ungeachtet entsteht ein dichtes Bild der ur-amerikanischen Musik und der Lebens- und Überlebensbedingungen der Musiker. Private Erinnerungen vermischen sich hier mit Anmerkungen zu den durch und durch rassistischen USA der 1950er und zu den Konzerten.
Auf der zweiten CD erinnert er sich an die ersten Begegnungen von Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones, die sich knapp vor der Gründung der Rolling Stones in Manchester in den Backstage-Bereich gemogelt hatten und es Rau schwer machten, die Künstler für ihre Auftritte auf die Bühne zu bekommen. „The blues got a baby, and they named it rock’n’roll“, fasste der Bluesmusiker Muddy Waters später die Entwicklung zusammen. Rau wiederum erzählt – nun freier sprechend – von seinen Erlebnissen mit den Rolling Stones und anderen Bands. Hier skizziert er den Aufbruch „der jungen Menschen aus der Enge einer Nachkriegspolitik, die keine Lehren aus dem Horror und den Verbrechen des letzten Weltkrieges gezogen zu haben schienen.“ Der Hessische Bluesmusiker Biber Herrmann illustriert den Vortrag zwischen den fünf- bis zwölfminütigen Textpassagen mit Bluesklassikern und eigenen Songs. Rau, der Bluesliebhaber, hat gut gewählt, denn Herrmann spielt eine eigene, virtuose Version des Blues.

Werner Stiefele, 30.03.2013



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