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In-Between Seasons & Places

Peter Schwebs-Quintet

Berthold/harmonia mundi BTH 4730006
(56 Min., 1/2012)

Moderner Jazz funktioniert auch ohne Bezüge zum aktuellen Pop. Das zeigt der zwischen Berlin, New York und seiner Heimatstadt Hannover pendelnde Kontrabassist Peter Schwebs. Der 1980 geborene verzichtet auf all die aktuellen Zutaten und knüpft an die swingende Traditionslinie des Hard Bop der 1950er an, ohne old fashioned die Musik jener Jahre zu kopieren. Mit dem Gitarristen Douglas Bradford und dem Tenorsaxofonisten Ben Kraef hat er zwei wunderbar aufeinander abgestimmte Melodiespezialisten in der Frontline, die sich im Wechselspiel oder Unisono hochschaukeln. Insbesondere die Mischung aus einem kernigen Zentrum und funkelnden Obertönen in Kraefs Ton reibt sich wohltuend an Bradfords elegantem, oft weichem Gitarrenklang. Schwebs selbst konzentriert sich auf die melodienreiche Begleitung, hier wiederum bestens verzahnt mit dem Pianisten Julian Pollack und dem Schlagzeuger Nick Anderson, und gelegentlich gönnt er sich auch ein hoch konzentriertes Solo.
Im Unterschied zum Gros der Produktionen aus den 1950ern werden jedoch die Grenzen zwischen Begleitung und Solisten ständig aufgeweicht: Jeder der fünf legt seinen Part so an, dass er äußerst flexibel in ein Ensemblegefüge aus Geben und Nehmen, Hören und Antworten, Agieren und Reagieren verwoben ist. Wie schon bei Schwebs‘ 2008 eingespieltes Debütalbum „Stories From Sugar Hill“ beflügelt ein swingender Puls die acht Stücke, wobei die Band – typisch für den postmodernen, das Beste aus vergangenen Epochen in sich aufnehmenden Jazz – den Grundrhythmus ständig aufbricht, Breaks und Akzente setzt. Indem sie immer wieder Zwischenräume öffnen und füllen, schaffen die fünf durch die hohe Kunst des Auslassens permanente Spannung.

Werner Stiefele, 23.02.2013



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