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Mischievous Moon

Jill Barber

Ferryhouse/Warner 426011917148
(48 Min., 2013)

Deutschland hat seinen Max Raabe. Und Kanada? Dort bedient Jill Barber die Retro-Schiene – allerdings knüpft sie an den Schlager der 1950er an und nicht – wie Raabe – an den 1920ern. Und natürlich mimt sie nicht den blasierten Entertainer, sondern die verführerische Lady. Die 1950er, das war die Zeit, als Hawaii-Gitarren zirpten, coole Vibrafonklänge das Klirren der Eiswürfel im Cocktail begleiteten und himmlische Träume von samtigen Geigen und Hu-Hu-Gesang untermalt wurden. Das war die Zeit der Petticoats, der Lederjacken, von DooWop, Bossa Nova, als eine unruhige Rockerjugend gegen die spießige Moral ihrer Eltern anging und sie doch nicht überwand. Damals genügte ein vom Luftstrom aus dem U-Bahn-Schacht hochgewehter Rock, um erotische Fantasien auszulösen.
Das Frauenbild wiederum wandelte sich: Sie war zwar immer noch – getreu der Bibel – dem Manne untertan und artikulierte ihre Interessen folglich – scheinbar – unterwürfig. An genau diese Haltung knüpft Jill Barber augenzwinkernd an. Sie verspricht in „Never Quit Loving You“ ewige Liebe, so lange er sie nur umarme und küsse, und in „Took Me By Surprise“ gesteht sie, dass sie die Liebe einfach überrumpelt habe. Sie schmachtet von der „Old Flame“ und legt einen Wunsch unters Kopfkissen – ein zauberhafter Rückgriff auf eine Zeit, die ihre Prüderie als Romantik verkaufte, wobei ihre Stimme sanft vibriert und sich oft tiefe, sonore Untertöne mit mädchenhaft gehauchten Worten vermischen. In der Retro-Entertainerin Jill Barber haben Blossom Dearie und Eartha Kitt eine würdige Nachfolgerin gefunden.

Werner Stiefele, 09.02.2013



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