An Vivaldi-Opern herrscht kein Mangel. Auch wenn viele verschollen oder nur unvollständig erhalten sind, bleiben doch über 20 Bühnenwerke, an denen wir uns heute noch erfreuen können. Und ab sofort gibt es sogar noch eines mehr. Und zwar eines, das wir schon kennen. Verwirrend? In der Tat!
Als erste Oper des prete rosso, die schon vor Beginn der großen Vivaldi-Renaissance mit einer Gesamtaufnahme geadelt wurde, darf man den 1727 uraufgeführten "Orlando furioso" als sein bis heute bekanntestes Bühnenwerk bezeichnen. Da kommt nun Federico Maria Sardelli daher und belegt nach eingehender Forschung sehr plausibel, dass Vivaldi bereits 13 Jahre zuvor, kurz nachdem er als Impresario die Leitung des Teatro Sant'Angelo in Venedig übernommen hatte, einen "Orlando furioso" komponierte. Der Librettist ist zwar derselbe, musikalisch hat die Oper aber nichts mit dem späteren Bruderwerk gemein. Kurze, fast ausschließlich schnelle Arien und dramatisch prägnante Rezitative prägen diesen erstgeborenen "Orlando", der noch Bariton singt, während sein jüngerer Bruder sich bekanntlich im Altregister tummelt.
Im Juli 2012 hatte Sardellis rekonstruierte Entdeckung ihre Premiere beim Festival von Beaune und wurde erfreulicherweise unmittelbar danach noch in Florenz für die nicht oft und laut genug zu lobende Vivaldi-Edition des Labels naïve aufgenommen. Mit seinem spritzig aufspielenden Ensemble Modo Antiquo und einem ideal zusammengestellten, perfekt ausgewogenen Vokalseptett macht uns Sardelli glatt Lust auf einen Drilling.

Michael Blümke, 05.01.2013



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