Zum runden Geburtstag gönnt man sich gerne einmal etwas Besonderes. Das Rossini Opera Festival in Pesaro bietet für diese Neuproduktion der "Zelmira" zum 30-jährigen Jubiläum 2009 eine Sängerschar auf, die in dieser durchweg exzellenten Qualität auch dort nicht alltäglich ist. "Zelmira" war die letzte von acht Opern, die Rossini für das Teatro San Carlo in Neapel – und seine spätere Frau Isabella Colbran – schrieb. Colbran galt damals zwar als Sopran, würde nach heutigen Maßstäben aber als Mezzo eingestuft werden. Auch in Pesaro kommt mit Kate Aldrich eine Mezzosopranistin zum Einsatz, die sich mit Feuer und Leidenschaft – und einer vollsaftigen Stimme – in die Titelpartie wirft. Eine Besonderheit von Rossinis neapolitanischen Opern war der Einsatz von mindestens zwei Tenören, die der Komponist mit teils haarsträubenden vokalen Aufgaben betraut. Hier sind es Juan Diego Flórez und Gregory Kunde, die mit ihren Leistungen das Publikum zum Toben bringen. Auf Flórez muss man wirklich keine Lobeshymnen mehr anstimmen, er ist schlicht DER Rossini-Tenor überhaupt. Dass aber der 20 Jahre ältere Gregory Kunde mit Mitte 50 eine derart famose Leistung (einschließlich sicherer und kraftvoll gehaltener Spitzentöne) abliefert, ist schon sensationell – was vom Publikum auch mit ebenso starken Ovationen wie für Flórez gewürdigt wird. Da mit Marianna Pizzolato und Alex Esposito zudem zwei weitere wichtige Rollen hervorragend besetzt sind, darf man hier von drei Rossini-Sternstunden sprechen. Schade nur, dass Decca uns keine CD-Produktion davon gönnt, denn auf die szenische Umsetzung kann man getrost verzichten.

Michael Blümke, 01.12.2012



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