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Ride On

Charlotte Ortmann

HBGS/Fenn HBGS20028
(47 Min., 2/2012)

Es ist etwas Weibliches um die Flöte, und ein Blick in deutsche Schulorchester bestätigt diesen Eindruck. Doch im Jazz gilt die Flöte als Männerinstrument, und zwar eins, das nach Herbie Mann erst mit James Newton seine Eigenständigkeit erlangt hat. Und noch immer sind die meisten Flötisten im Jazz ursprünglich Saxofonisten und spielen die Flöte als Zweitinstrument. Die 27-jährige Charlotte Ortmann aus Köln ist eine doppelte Ausnahme; sie ist als Frau eine bekennende Jazz-Flötistin. Und sie spielt als Zweitinstrument zwar auch Saxofon, verzichtet aber auf Ride On, ihrem Debüt für das MPS-Nachfolge-Label HGBS, ganz auf die Erfindung von Herrn Sax.
Dieser Verzicht, ebenso wie die Konzentration in der Besetzung auf Bass und Schlagzeug, zeugen von einem gesunden Selbstbewusstsein. Das hat die junge Frau auch zu Recht, denn sie beherrscht kompositorisch und instrumental handwerklich die gesamte Bandbreite dessen, was die Querflöte für den Jazz bereithält. Mit Caspar van Meel am Kontra- und E-Bass, sowie mit Dominic Brosowski bildet sie ein bestens eingespieltes Trio, das sich klarer Melodik ebenso verpflichtet fühlt wie immer wieder auch knackig launigen, rockenden Funklinien. Den Gefahren der besetzungsbedingt möglichen Klangermüdung versuchen die drei durch den gelegentlichen Einsatz von Elektronikeffekten zu begegnen. Am überzeugendsten spotten sie jedem Gleichklang, wenn ‒ wie in dem umwerfenden Titelstück ‒ kompositorische Mittel pfiffige stilistische Kontraste erzeugen – und für die sorgt die Umsicht der Chefin zuhauf.

Thomas Fitterling, 10.11.2012



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