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Peter Iljitsch Tschaikowski, Franz Schubert/Franz Liszt u.a.

Klavierkonzert Nr. 1, Klaviertranskriptionen

Daniil Trifonov, Valery Gergiev, Orchester des Mariinski Theaters

Mariinsky/Note 1 MAR0530
(69 Min., 10/2011, 1 & 4/2012) SACD

Mit seinen 22 Jahren hat Daniil Trifonov so ziemlich alles erreicht, was ein Pianist in diesem Alter an Lorbeeren einheimsen kann. 1. Preise beim Arthur Rubinstein-Wettbewerb und beim Tschaikowski-Wettbewerb Moskau, und selbst von Martha Argerich kursieren über Trifonovs Spiel nur Superlative – wie der werbeträchtige Satz „Ich habe so etwas noch nie gehört“. Im Internet-Zeitalter lassen sich ähnliche Hymen anhand von audiovisuellen Konzert-Mitschnitten leicht überprüfen. Oder man wartet gelassen die ersten auf CD festgehaltenen Visitenkarten eines Wunderknaben von solch einem Kaliber ab.
Nach der 2011 veröffentlichten Debüt-CD mit Solo-Werken von Chopin ist Trifonov nun in den wohl berühmtesten Klavierkonzertring gestiegen. Zusammen mit Valery Gergiev und dem Mariinsky Orchestra hat er Tschaikowskys 1. Klavierkonzert eingespielt. Beim solistischen Bei- bzw. Zugabenprogramm entschied sich Trifonov für eine Handvoll Schubert-Lied-Transkriptionen von Franz Liszt.
Hier wie dort ist man schon beeindruckt von den technisch überragenden Möglichkeiten von Trifonov. Doch wie unterschiedlich er sie einsetzt, wird schnell deutlich. Bei Tschaikowski stehen sie ganz im Dienste der Formsicherheit und Lebendigkeit. Das Oktavmartellato im Finalsatz ist ansteckend, aber kein verschwitztes Gedonnere. Und im Prestissimo-Intermezzo des langsamen Satzes steckt eine wie aus dem Ärmel geschüttelte Rasanz, die abseits leeren Oberflächenglanzes als dramaturgisch plausibel gesetztes Scharnier zwischen den entspannt-beruhigenden Kantilenen funktioniert. Auch damit ist er ein wohltuendes Korrektiv zu der bisweilen pathetisch-überhitzten Gangart, die Gergiev da ansetzt. Bei den fünf Schubert-Liszt-Evergreens hingegen erlebt man dann einen Jungpianisten, der ausschließlich seiner puren Lust am brillanten Irrwitz frönt. Ob im „Erlkönig“, bei dem die knisternde Hochspannung ins Rauschhafte umschlägt, oder bei der „Forelle“, die er regelrecht durchs Bächlein scheucht. Kein Zweifel – die ersten Etappen auf dem Weg zur Weltspitze hat Trifonov gemeistert. Doch die eigentlichen steinigen Passagen liegen noch vor ihm.

Guido Fischer, 20.10.2012



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