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Robert Schumann, Johannes Brahms, Dmitri Schostakowitsch, Claude Debussy

Fantasiestücke, Sonaten für Violoncello und Klavier

Sol Gabetta, Hélène Grimaud

DG/Universal 479 009 0
(75 Min., 2011)

Es ist die Schönheit dieses Cello-Tons, die zuallererst, schon bei den anfänglichen Sekunden von Schumanns erstem „Fantasiestück“, dem Ohr des Hörers schmeichelt. Gleichzeitig begeistert die Wandlungsfähigkeit von Sol Gabettas Spiel: Wie rückhaltlos vermag sich die Argentinierin Schumanns Kantilenen zu eigen zu machen! Nach wenigen Takten bereits decrescendiert sie ihre Melodie so stark, dass fast nur noch ein Hauchen zu vernehmen ist, um sie gleich darauf wieder zu neuer, voller Schönheit erblühen zu lassen.
Freilich, so ist sie nun mal, diese romantische Kammermusik – aber wann bekommt man das schon einmal mit solcher Vollkommenheit und Hingabe dargeboten? Für Brahms‘ Sonate Nr. 1 e-Moll findet Gabetta dann einen schwerblütigeren, dunkleren Klang, der es mit dem vollgriffigen, oft – ganz Brahms-typisch – in der Basslage recht dicken Klavierklang mühelos aufzunehmen vermag. Hier übrigens bewährt sich Hélène Grimaud als Begleiterin: Hätte man sie bei Schumanns „Fantasiestücken“ gern etwas weniger dezent erlebt, erfreut man sich besonders in der Ecksätzen der Brahms-Sonate an ihrer Fähigkeit, selbst Unhandlichstes durchsichtig und elegant zu präsentieren. Vollends überzeugt sie auch in der anschließenden Debussy-Sonate, in deren „Prologue“ sie sich nach prägnant formulierter Eröffnung mehr und mehr zurückzieht, um sich dann in der Mitte des Satzes mit einem unruhig und bedrohlich heranrollenden „Agitato“ effektvoll wieder in Szene zu setzen. Das Programm der CD klingt dann aus mit Dmitri Schostakowitschs Sonate für Cello und Klavier op. 40, die mit ihrem breitem Spektrum an stilistischen Allusionen und Ausdrucksnuancen noch einmal zum Paradestück für die beiden hochsensiblen Musikerinnen gerät.

Michael Wersin, 06.10.2012



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