Rossinis zwölfte Oper hatte es von Anfang schwer. Kurz nach dem spektakulären Erfolg des "Tancredi" uraufgeführt, stand "Aureliano in Palmira" schon zu Lebzeiten des Komponisten nicht allzu hoch in der Publikumsgunst, und daran hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten wenig geändert. Einige Stücke des Werkes kennt jeder Opernfan, weil Rossini sie im "Barbiere" noch einmal verwendete, doch birgt auch der Rest seine Reize. Und die lassen sich mit der vorliegenden Aufnahme, bei der zwei der drei Hauptrollen mit ausgewiesenen Rossini-Experten besetzt sind, bestens entdecken.
Kenneth Tarver hat schon überall in Europa – und an der MET – bewiesen, dass er weder vor den Höhen noch vor den Koloraturen des Schwans von Pesaro Angst hat. Ganz genauso sieht es bei Silvia Tro Santafè aus, die noch immer (und damit viel länger als die Namensträgerin selbst) wie die junge Agnes Baltsa klingt, nur dass bei der Spanierin die Register nicht unverbunden nebeneinander stehen; die herbe Stimmfarbe und die zupackende Herangehensweise aber haben beide Sängerinnen gemein. Hier scheint mir Tro Santafès flexibler Mezzo noch ausgeglichener und bei allem Engagement entspannter als sonst zu klingen. Vervollständigt wird das Solistenterzett von der zumindest den Stuttgartern wohlbekannten Catriona Smith, die mit ihrer sehr zuverlässigen, allerdings etwas charakterarmen Stimme das vokale Niveau hält. Maurizio Benini schließlich ist zwar nicht der temperamentvollste Dirigent, musiziert aber mit Sorgfalt und Hingabe.

Michael Blümke, 22.09.2012



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