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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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Johann Sebastian Bach

Sonaten & Partiten Vol. 2

Isabelle Faust

harmonia mundi HMC 902124
(60 Min., 8 & 9/2011)

Auf ihrer wertvollen „Dornröschen“-Stradivari hat Isabelle Faust in beängstigend schönster Regelmäßigkeit bewiesen, wie man den hellwach arbeitenden Kopf mit dem empfindsam pulsierenden Herzen kurzschließen kann. Und schon fast mit links bestätigte die Ausnahmemusikerin ihre Qualitäten in der 1. Folge der Gesamteinspielung sämtlicher Sonaten & Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Nun ist das Bach-Projekt abgeschlossen. Und Faust hat sich damit endgültig in der Belle Etage der modernen Bach-Interpretation etabliert. Konturenreich und unverschnörkelt, mit Esprit und Zartgefühl geht sie nun die ersten drei Opera des sechsteiligen Violin-Manifests an. Und wieder feiert sie – wie in der „Siciliana“ der 1. Sonate – das Anmutige und Innige mit einem Zauber, dass man ihr darin einfach gebannt folgen muss.
Doch solche intimen Momente besitzen bei Faust neben Licht eben auch ihre dramatisch bedrängenden Schattenseiten. Das „Grave“ der 2. Sonate ist trotz seiner augenscheinlichen Ruhe ein wildes Wechselbad der Gefühle, der Klage und der Hoffnung. Weil bei Faust jedoch jede Sonate und jede Partita mehr ist als nur ihre Bausteine, versteht sie die nachfolgende „Fuga“ nicht einfach als eine fulminante Visitenkarte des Kontrapunktikers Bach. Zwischen den Stimmen scheint nun das im „Grave“ entfachte Seelenfeuer weiterzuflackern. In der Partita macht sie dann auch die konstruktiven Verstrebungen zwischen den Einzelsätzen dieser Großarchitektur beeindruckend deutlich. Regelrecht tollkühn legt sie nach der „Corrente“ mit ihren Achteln den Schalter um und verwandelt das identische Grundtempo der 2. Double jetzt mit fliegenden Sechzehnteln zu einem atemlos machenden Bravourstück. Und wie schon in der 1. Double herrschen in der Nr. 3 schillernde Farbverwirbelungen, mit denen sich Faust als Kennerin auch der zeitgenössischen Musik ausweist. Schließlich spielt sie nicht nur in großen Bögen, sondern denkt sie auch mit.

Guido Fischer, 15.09.2012



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