Mittlerweile bei Folge 4 angekommen ist der Berliner Wagner-Zyklus, dessen konzertante Aufführungen von PentaTone auf SACD gebannt werden. Bis Ende nächsten Jahres sollen so die zehn großen Opern des Meisters in Live-Mitschnitten vorliegen. Das verbindende Element ist das großartige Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit dem souveränen Marek Janowski am Dirigentenpult. Leider ist allen bisherigen Abenden auch eine keineswegs in allen Partien glückliche Sängerauswahl gemein. Da macht auch der nun vorliegende "Lohengrin" keine Ausnahme, wenngleich er zweifellos den bisher besten Gesamteindruck hinterlässt.
Der unbestrittene Star des Abends ist natürlich Klaus Florian Vogt in der Titelrolle. So federleicht und entspannt hat man den Schwanenritter noch von niemandem vernommen. Das klingt in seiner Schwerelosigkeit mitunter geradezu keusch. Für Vogts Rollenkollegen kommt diese Leistung einer Ohrfeige gleich. Seine Elsa ist, wie schon in Bayreuth, Annette Dasch, die hier erfreulicherweise einmal nicht eine Lehrstunde in Detonation gibt. Gleichwohl geht sie die obere Lage recht zögerlich an und stößt im Brautgemach, wo die Stimme beträchtlich flackert, auch an ihre Grenzen. Keine besonders bedrohliche Gegenspielerin findet sie in der persönlichkeitsarmen Ortrud von Susanne Resmark, die aber vokal weitgehend untadelig ist. Gerd Grochowskis in der Höhe etwas angestrengter Telramund dürfte bei allem Wohlklang stimmlich wie gestalterisch größer dimensioniert sein. Günther Groissböck steuert einen balsamischen König bei.

Michael Blümke, 23.06.2012



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