Im Dezember wird er 40, und als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk erscheint jetzt sein zweites Album bei Sony. Nach einer Tango-CD darf sich Erwin Schrott dieses Mal mit Opernarien präsentieren. Da er in seinen zwei Leib- und Magenpartien Giovanni und Figaro bereits auf seinem DG-Debüt zu hören war, ist er hier neben Escamillo und Scarpia auch in einigen nicht so gängigen Rollen vertreten. Von französischen Opern über Verdi und Boito bis hin zu zwei Zarzuela-Ausschnitten reicht das Repertoire dieser Scheibe mit dem originellen Titel "Arias".
Rein stimmlich absolviert der Uruguayer das Programm tadellos, wenn auch nicht brillant. Er ist ein echter Bassbariton mit guter, aber nicht wirklich satter Tiefe, einer sonoren Mittellage und einer zuverlässigen, allerdings nicht immer ausreichend freien Höhe, die oft flach und matt klingt. Gestalterisch bleiben etliche Wünsche offen, da herrscht eine gewisse Gleichförmigkeit. Erwin Schrott agiert eher mit Pathos als mit Passion, das Klischee vom Latino-Feuer bedient er also nicht. Es fehlt ihm an Nachdruck, mitunter auch an Autorität ("Attila"). Oder an Leidenschaft, wie die Cabaletta "O speranza di vendetta" aus "I lombardi" zeigt – der Hörer bekommt nicht das Gefühl, dass Pagano tatsächlich schon lange auf diese Gelegenheit zur Rache wartet. Um es drastisch auf den Punkt zu bringen: Man vermisst die gestalterischen (nicht die vokalen!) Cojones. Emotional wirklich eingefangen wird man bei den beiden Stücken von Sorozábal, ein reines Zarzuela-Programm würde sich deshalb für das nächste Album anbieten.

Michael Blümke, 09.06.2012



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