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Cycladic Moods

Franco Ambrosetti

Enja/Soulfood ENJ9576
(62 Min., 6/2011)

Der Tessiner Franco Ambrosetti ist eine Ausnahmeerscheinung im Jazz. Er gewann 1966 den legendären, von Friedrich Gulda ausgerichteten Jazzwettbewerb in der Kategorie Trompete. Seither hat er weltweit Karriere gemacht. Gleichzeitig aber kümmerte er sich – wie vor ihm sein Saxofon spielender Vater – als Industrieller um das Familienunternehmen. Stets galt seine Bewunderung dem progressiven Hardbop New Yorker Prägung. Im vergangenen Sommer, ein halbes Jahr vor seinem siebzigsten Geburtstag, stellte er sich gleichsam ein New Yorker Traum-Sextett zusammen. Tenorsaxofon spielte Abraham Burton, der die modernen schwarzen Meister dieses Instruments genau kennt. Am Klavier saß Geri Allen, in der die moderne schwarze Klaviertradition schon früh zu neuer Apotheose fand, und Super-Drummer Nasheet Waits drückte dem Ensemble vollends den prägenden New Yorker Stempel auf. Der Schweizer Heiri Kaenzig am Bass und Ambrosettis Sohn Gianluca am Sopransaxofon komplementierten die All-Star-Besetzung. Nach zwei Wochen Tournee spielte die Band das vorliegende Album ein. Es macht ungeheuer Laune, in klassischer Blue-Note-Tradition geht die Post ab. Zugestellt wird keineswegs Nostalgie, vielmehr wird augenzwinkernd Hipness zelebriert und trotz Power auf kraftmeierischen Gestus verzichtet, Die Trompeten- und Flügelhornlinien sind verschwenderisch und immer wieder von duftig lichter Strahlkraft. Konzentriert wird aufeinander gehört, und so lässt man sich schon mal ausgedehnt auf offenere Formen ein.

Thomas Fitterling, 02.06.2012



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