Ein packender Opernabend, der jedoch – das sei gleich vorab gesagt – nichts für Zartbesaitete ist. Auch wenn manch einer das bei Monteverdi vielleicht nicht glauben mag, hier geht es richtig zur Sache. Schon das Libretto zu "L'incoronazione di Poppea" ist ja nicht gerade zimperlich. Und die Inszenierung von Ole Anders Tandberg für die Osloer Oper treibt das Geschehen noch auf die Spitze, bringt es ganz unverblümt auf die Bühne. Das ist mitunter verstörend und obszön, zugleich aber ungeheuer sinnlich und mitreißend. Derart aufwühlende und rundum begeisternde Produktionen sind rar gesät. Zumal diese hier durch hinreißende Sängerschauspieler zusätzlich geadelt wird: eine vollsaftige Poppea (Birgitte Christensen), ein ebenso schönstimmiger wie ausdrucksstarker Ottone (Tim Mead) oder ein herrlich hysterischer Nerone (Jacek Laszczkowski). Doch ist es unfair, einzelne Sänger herauszustellen, weil sich alle Beteiligten zu einem perfekt zusammengestellten Ensemble fügen. Die Inszenierung, die ohne eigentliches Bühnenbild nur mit einer leicht gebogenen viereckigen Spielfläche auskommt, wurde für die DVD mit filmischen Mitteln überarbeitet und dadurch in ihrer Wirkung noch verstärkt. Hervorstechend ist das Löschen der Farben, das Geschehen läuft in schwarz-weiß ab, durchbrochen nur von der Farbe der Liebe – und des Blutes.

Michael Blümke, 02.06.2012



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