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Ludwig van Beethoven

Sämtliche Klaviertrios

Trio Wanderer

harmonia mundi HMC 902100.03
(245 Min., 12/2010 - 9/2011) 4 CDs

Man mag sich als Rezensent manchmal kaum noch ein eigenes Urteil erlauben, wenn andere schon derart jubeln – so wie im Fall dieser Gesamteinspielung der Beethoven-Trios. Gerade erschienen, klebt das Cover schon voller Empfehlungen bundesdeutscher Redaktionen. Warum nicht gleich draufdrucken? Tatsächlich kann man nicht groß meckern über das umfangreiche Aufnahmeprojekt des Trio Wanderer: Mit enzyklopädischem Eifer und spürbarem Respekt vor dem Notentext haben Jean-Marc Phillips-Varjabédian, Raphaël Pidoux und Vincent Coq einen für Beethoven nicht zentralen, aber doch wichtigen Werkkomplex von A bis Z durchgearbeitet, von dem vielleicht noch in Bonn entstandenen Frühwerk WoO 38 und der Trias, die Beethoven in Wien dann stolz als Opus 1 veröffentlicht, über das Geister- und das Erzherzog-Trio bis zu den späten Kakadu-Variationen op. 121a. Das Ganze gebündelt in einer schönen Box, begleitet von einem kenntnisreichen und ausführlichen Beiheft – das schaut gut aus und hört sich auch ganz gut an.
Die drei Franzosen sind echte Feinmechaniker der Kammermusik. Die Trios klingen leicht, flink, haben Tempo, sie drücken nichts aufs Gemüt, die Intonation stimmt. Andererseits wünschte man sich schon bald mehr Gestaltung, mehr Modulation, eine emphatischere musikalische Rede. Beethoven hat schließlich das Trio vom Parfumdunst der Divertimenti erlöst und ihm eine gehörige Portion künstlerisches Selbstbewusstsein eingeflößt. Dafür aber lassen gerade die beiden Streicher (der Geiger Phillips-Varjabédian mehr als Cellist Pidoux) ihre Stimmen oft arg kurzatmig klingen, absolvieren sie dann wie Pflichtübungen – man vernimmt mehr Passagenwerk, als Beethoven komponiert hat. Gleich in den ersten Takten des zweiten Satzes von op.1/I beispielsweise: Da überlässt der Klavierfanatiker Beethoven der Violine freundlicherweise das schöne Hauptthema, doch die will die besondere Geste partout nicht würdigen, summt bloß, statt stolz zu singen. Schade. Unterm Strich also eine eher sachliche Aufnahme, vorsichtig formuliert.

Raoul Mörchen, 19.05.2012



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