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New Blues

Aki Takase

Enja/Soulfood YEB 7723
(56 Min., 6/2011)

„New Blues“ ist ein launiges Etikett für diese Produktion der japanischen Grande Dame des Hauptstadtszenen-Jazz. Eigentlich handelt es sich um eine aktualisierte Fortsetzung ihres „Plays Fats Waller“-Projekts von 2003. Schon damals war die Verbindung von Free Jazz und Early Jazz keineswegs die Quadratur des Kreises; das den Stilen gemeinsame Prinzip der Kollektiv-Improvisation traf ideal auf die Vorliebe der Japanerin für schrill kesse Melodien, eruptive Free-Jazz-Zitate, verquer tänzelnde Rhythmen und abgedrehten Humor. Kein Wunder also, dass bei dieser Fortschreibung des Waller-Projekts nahezu die gleiche Besetzung wie damals im Einsatz ist. Rudi Mahall, der sensibel aberwitzige Bassklarinettist, ist inzwischen fast so etwas wie das Bläser-Alter-Ego der virtuos mit allen Facetten der Jazzgeschichte spielenden Dame am Klavier. Nils Wogram zieht sein ganz eigenes Fazit aus der deutschen Posaunen-Tradition von Mangelsdorff und den Bauer-Brüdern. Für den derben Humor à la Waller sorgt singend am Banjo und der Gitarre Eugene Chadbourne, und Paul Lovens am Schlagzeug gestaltet mit gelassener Selbstverständlichkeit die Übergänge zwischen Dixieland- und Avantgarde-Rhythmik. Vier der 15 Titel stammen von Fats Waller, zwei von Jelly Roll Morton und ein weiterer von W.C. Handy. Letztlich sind es im Kontrast doch die sechs mitunter miniaturhaft kurzen Takase-Originals, die den stärksten Eindruck hinterlassen und ein angenehmes Gegengewicht zu der zuweilen bemüht wirkenden vokalen Ausgelassenheit von Eugene Chadbourne darstellen.

Thomas Fitterling, 28.04.2012



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