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Historical Organs Of The Philippines: Vol. 1 Bohol (Loay, Loboc, Baclayon) ‒ Werke von Valente, de Torres y Vergara, Bruna, Baguér, Elias u.a.

Guy Bovet

Gallo/Klassik Center GAL-CD-1361
(71 Min., 2/2011)

Es gibt sicher eine Menge Gründe, auf die Philippinen zu reisen – doch die dortige Orgellandschaft dürfte auch für musikalische Touristen und selbst hartnäckige Orgel-Aficionados nicht dazu gehören. Sieht man dann noch die Fotos der Gerümpelhaufen aus verbeulten Pfeifen und wurmstichigem Holz, aus denen das Innere vieler historischer philippinischer Orgeln vor ihrer Restaurierung bestand, dann möchte man Guy Bovets Projekt einer klingenden Enzyklopädie der historischen philippinischen Orgellandschaft für eine ausgemachte Schnapsidee halten.
Das Gegenteil ist der Fall: Zumindest auf der Insel Bohol, so zeigt Vol. 1 des Projekts, hat die lokale Orgellobby ganze Arbeit geleistet. Die nach iberischem Vorbild gebauten Orgeln von Loay (1841), Loboc (vor 1850) und Baclayon (1824) überraschen mit einer geteilten Tastatur, wie sie für die melodieorientierte iberische Orgelmusik typisch ist. Die ausgesprochene Farbigkeit der Register dürfte dabei gerade auch heidnischen Orgelmuffeln Spaß bereiten – zumal Guy Bovet mit Lust Gebrauch von fröhlich schmetternden Trompetenregistern, ätherischen Glasharmonikaeffekten, dumpfen Trommeln und tropischem Vogelgezwitscher macht. Auch die Stückauswahl ist durchaus populär, denn Bovet greift vor allem auf volkstümlich angehauchte Tänze, Sonaten und Rondos iberischstämmiger Komponisten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts zurück, von denen die meisten in den Philippinen oder doch zumindest in Übersee wirkten. Bei aller Farbigkeit driftet er dabei nie in Effekthascherei ab, sondern belebt die melodischen Linien mit einer glasklaren, feinsinnigen und historisch informierten Phrasierung. Egal auf welche Südseeinseln Bovet seine Expedition noch führen wird – es lohnt sich, ihm zu folgen.

Carsten Niemann, 28.04.2012



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