Responsive image

Secundo

Jazz ’n’ Spirit

Audimax/Codaex AUD 912 1724
(67 Min., 6/2011) SACD

Der Name des Trios der besonderen Art verweist auf den Geist der sakralen Musik der Renaissance und des Frühbarocks. Im Klassikbereich ist der Brückenschlag über Jahrhunderte und Genregrenzen durchaus anzutreffen, und im Jazz gab es immer einen Sinn für gutes, gehaltvolles Liedmaterial. Warum also als klassisch sozialisierter mitteleuropäischer Jazzer sich nicht auf das alte Kirchengesangbuch als ein Great European Songbook besinnen, dessen Qualität die Jahrhunderte überdauert hat?
Albert Mangelsdorff hat das einst mit großem Respekt und entsprechendem Erfolg getan. Der Saxofonist und Klarinettist Dirk Piezunka, sein Kontrabassisten-Bruder Jens und der Akustikgitarre spielende Martin Flindt tun genau dies. Aus einem aktualisierten Verständnis der Cool-Jazz-Ästhetik heraus betreiben sie die Anverwandlung der alten Melodien von Orlando di Lasso, Hans Leo Haßler, J. S. Bach und anderen. Nichts wirkt dabei aufgesetzt, verjazzt oder effekthascherisch gegen den Strich gebürstet. Der Geist der Originale wird respektiert, und in der ausgewogenen Balance von Arrangement und Improvisation gelingt ein Brückenschlag, der dem Hörer ein besinnliches Flanieren in zwei Welten erlaubt. Dabei ist der Klang des Saxofons eine erfolgreiche Gratwanderung: Melodieselig und virtuos gespielt hat das Instrument gerade genügend Stan-Getz-Anteil, um nicht in das süßlich glatte Klangideal der Klassiktradition zu kippen. Gitarre und Bass stehen dem Bläser an Beweglichkeit und Anmut nicht nach. Secundo ist das überzeugende Folgealbum des gefeierten CD-Debüts des Trios.

Thomas Fitterling, 07.04.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top