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Georg Friedrich Händel

Violinsonaten (HWV 361, 364a, 370, 359a, 358, 371, 372, 375)

Riccardo Minasi, Musica Antiqua Roma

dhm/Sony 88697705312
(72 Min., 10/2009)

Die Abbildung von Giacomellis „Tanzenden Priestern“ auf dem CD-Cover ist durchaus nicht so beliebig, wie es scheinen mag ‒ denn der Dualismus von formaler Strenge und spielerischer Leidenschaft, Keuschheit und Lebensfreude ist ein Thema, das jeden Interpreten von Händels Violinsonaten beschäftigen muss. Riccardo Minasis Interpretationsansatz in den langsamen Sätzen dieser Auswahlaufnahme ist einzigartig in der Interpretationsgeschichte der Sonaten: Noch nie hat ein Geiger der Alte-Musik-Szene die Italianità dieser Sätze so überzeugend herausgearbeitet, ihre Nähe zur expressiven, reich verzierten Opernarie so deutlich werden lassen ‒ wobei er Schönheit und Fülle des Tons mit einem asketischen Vibratogebrauch zu erzielen weiß. Schon allein wegen dieses fulminanten Ansatzes, der die Sonaten in die Perspektive von Händels italienischen Sturm- und Drang-Jahren rückt, lohnt sich der Kauf der CD.
Dennoch soll nicht verschwiegen werden, dass die schnellen Sätze weniger glücklich erfasst sind: Anstatt sie als kontrastierende Elemente zu begreifen, die für tänzerische Entspannung und fugierende Formstrenge nach dem Rausch der Leidenschaft sorgen, drosselt Minasi sein Feuer nicht und versucht den Sätzen eine virtuose Extrovertiertheit zu verleihen, die ihnen in diesem Maße nicht zukommt. In diesem einen Punkt behalten die Aufnahmen vom Andrew Manze und besonders von John Holloway ihre Berechtigung, die bei aller Lust an der Virtuosität auch Händels Trachten nach rhetorischer Klarheit und emotionaler Balance respektieren.

Carsten Niemann, 17.03.2012



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