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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten Vol. I

HJ Lim

EMI 7300092
(151 Min., 8/2011) 2 CDs

HJ Lim stemmt, (das Design des Vornamens könnte, was den deutschen Markt betrifft, zumindest für die älteren Hörer etwas problematisch anmuten; aber die Zielgruppe der Produktion wird da kaum Hässliches assoziieren), was aller Ehren wert ist, mit 24 alle Beethovensonaten auf die Bühne respektive ins Studio. Achtung verdient auch der Versuch, dieses Unternehmen dramaturgisch zu gliedern, selbst wenn die ersonnenen Titel flach geraten sind („Eternal Feminine“ für das Opus 7?). Dafür gibt es einen Stern. Aber auf die CD gehört dieses Unternehmen nun wirklich nicht. Es gibt schon zu viele wirklich gute Zyklen, man weiß kaum, welchen man empfehlen soll. Diesen bestimmt nicht.
Ein furchtbar hart intonierter, metallischer Flügel, ein erstaunlich substanzlos in koreanischer Klavierstudentenmanier von oben herausgedroschener Klang: Da hört sich die Hammerklaviersonate an, als sei sie mit spitzen Fingern aus Metallblech ausgeschnitten, allerdings mit flotten Fingern, die auch irrwitzige Tempi gestatten. Flotte Finger haben freilich viele.
Das Adagio geht, in Ermangelung der Fähigkeit, den langen Atem dieses ungeheuerlichen Stückes auszuhalten, in rekordverdächtigen 13 Minuten über die Bühne. Selbst diese tödlich kurze Spanne kann sie nicht mit musikalischem Sinn füllen, und aus lauter Verlegenheit arpeggiert sie ständig Akkorde. Das ist so unbeschreiblich dürftig, da wäre eine gute Diplomnote an einer Deutschen Hochschule auf keinen Fall drin gewesen. Im Pariser Conservatoire, wo die junge Dame daheim ist, sieht man das anders. Und Henri Barda, ihr bedeutender Lehrer, lässt so etwas Unausgegorenes auf die Öffentlichkeit los?
Das Scheitern an den langsamen Sätzen ist notorisch. Im Largo des Opus 7 verliert sich jedes Metrum, das zweite, marschhafte Thema ist rhythmisch geradezu deformiert. Auch der Kopfsatz leidet unter Überhetzung und Hudelei, es ist die Eile der Ratlosen.
Wo haben die Produzenten der EMI ihre Ohren? Kein Label verneigt sich in unseren Tagen so traditionsbewusst vor der eigenen Geschichte und fördert einen Archivschatz nach dem anderen aus den Kellern. Mit solchen Produktionen aber häufen sie keine Werte für die Zukunft an, sondern allenfalls Denkmäler des interpretatorischen Verfalls.

Matthias Kornemann, 03.03.2012



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