Responsive image
Diverse

Helden

Klaus Florian Vogt, Peter Schneider, Orchester der Deutschen Oper Berlin

Sony 88697 988642
(59 Min., 7/2011)

Beinahe wäre diese Stimme ungehört geblieben. Ihr Besitzer war nämlich Hornist bei den Hamburger Philharmonikern und fühlte sich im Orchestergraben recht wohl. Zum Glück für die Opernwelt wurde Klaus Florian Vogts Tenor aber bei einer Geburtstagsfeier entdeckt und nach einigem Hin und Her studierte der Holsteiner dann parallel zu seinem Orchesterjob Gesang. Heute ist er der beste jugendliche Heldentenor deutscher Sprache. Keiner singt Wagner – und bei dem landet man als Vertreter dieses Stimmfachs unweigerlich – so absolut mühelos, entspannt, selbstverständlich. Sein Ansatz ist stets lyrisch, hohe Töne bindet er so unauffällig und unangestrengt in die Gesangslinie ein, dass man sie kaum als solche wahrnimmt. Bei Klaus Florian Vogt kann man sich einfach zurücklehnen und eine durch und durch gesunde Stimme genießen, man muss nie Angst haben, auch nicht im 3. Akt einer Wagner-Oper, wo ja bekanntlich die großen Herausforderungen auf die Tenorhelden warten. Nicht nur in Bayreuth hat er damit klargemacht, dass er als Stolzing und Lohengrin ohne Konkurrenz ist. In diesen beiden Partien ist er natürlich auch auf diesem längst überfälligen Recital zu hören. Ergänzt wird das Programm durch Arien von Weber, Lortzing, Flotow und Korngold sowie einen makellos lyrischen Tamino. Hier und da würde man sich ein etwas gespannteres Singen wünschen, eine dramatisch akzentuiertere Phrasierung. Doch charakterisieren andererseits gerade die Schlichtheit und Unaufgeregtheit, dieser völlige Verzicht auf alles Aufgesetzte Vogts Singen. Und dafür muss man in unserer heutigen Opernlandschaft sehr dankbar sein.

Michael Blümke, 21.01.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top