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Camille Saint-Saëns

Orgelsinfonie c-Moll, Klavierkonzert Nr. 4 c-Moll

Daniel Roth, Jean-François Heisser, François-Xavier Roth, Les Siècles

Musicales Actes Sud/harmonia mundi ASM 04
(61 Min., 5/2010 & 6/2009)

Kathedralen, vor allem französische, waren in der Romantik nicht nur religiöse Kultstätten, sondern auch (säkularisierte) Sehnsuchtsorte des Erhabenen. Dass im 19. Jahrhundert Frankreichs Komponisten fürs Überschäumende, Gigantische ein besonderes Faible besaßen, lag zweifellos auch an der Grandiosität ihrer Gotteshäuser, insbesondere wenn die Tonsetzer, wie Camille Saint-Saëns an der Pariser Eglise de la Madeleine, über Jahrzehnte hinweg hier Organisten-Dienste verrichteten. Die „Orgelsinfonie“ von 1885/86, Saint-Saëns‘ gewichtigstes sinfonisches Opus, hört man heute zumeist in mit Orgeln versehenen Konzertsälen (den bürgerlich-säkularen Pedants zu den Kathedralen), gleichwohl entfaltet sich ihre größte Wirkung zwischen den himmelwärts strebenden Sakralpfeilern. Wenn das klangfarbliche Unikum – zur Orgel und zum großen Orchesterapparat gesellt sich noch ein vierhändig gespieltes Klavier – wie jetzt bei François-Xavier Roth und Daniel Roth, dem Titularorganisten an Saint-Sulpice, in eben dieser Pariser Kathedrale präsentiert wird, ist Rückenschauer pur angesagt: So majestätisch erfüllt die gigantische Cavaillé-Coll-Orgel den Sonatenkopfsatz mit dem markanten „Dies-irae“-Motiv, so hymnisch breit strömt die Des-Dur-Kantilene des Adagio dahin, dass man schier überwältigt wird von dieser „Grandeur“. Bewundern muss man dabei nicht nur das historisch geschulte, vor gerade mal acht Jahren von François-Xavier Roth gegründete „Les Siècles“-Orchester für seinen akribischen Eifer; auch die Tontechniker haben ganze Arbeit geleistet, damit der heimische CD-Hörer nicht im Klangbad des Riesenraums mit dem unendlichen Hall untergeht. Das vierte Klavierkonzert, aufgenommen in der Opéra comique, kann da trotz seiner einzigartig proportionierten Strukturen fast als Zugabe erscheinen, wäre da nicht zum einen die thematische Verwandtschaft: Hier wie dort hat Saint-Saëns die vier Sätze zu zwei Großteilen gebündelt und ihr motivisches Material zum Schlusshymnus hin gesteigert. Vor allem aber beschert Jean-François Heissers perlendes, warm timbriertes Érard-Piano von 1874, gebaut ein Jahr vor der Pariser Uraufführung des Werkes, ein besonderes – französisches – Klangfarbenerlebnis. Und „Les Siècles“ strotzen einmal mehr vor Energie.

Christoph Braun, 24.12.2011



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