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Poesiealbum

Olivia Trummer

Neuklang/Sunnymoon NCD4061
(58 Min., 4/2011)

Die 26 Jahre alte Olivia Trummer hat in Stuttgart und an der Manhattan School Of Music Klavier studiert. Sie wurde vielfach ausgezeichnet und kann auf drei viel beachtete Trio-CDs verweisen. Auf der letzten war sie bereits auch als Sängerin zu hören. Nun präsentiert sie sich vollends als Liedermacherin des modernen Jazz. Ihre naiv anmutenden deutschen Texte scheuen den Reim, haben etwas von romantischen Reflexionen, die mitunter mal tief gründeln, dann aber auch echt berühren. In hoher Stimmlage und mit teils gewagten Intervallsprüngen gestaltet die Sängerin, die auch selbst das Klavier bedient, ihre Lieder.
Vor den nordischen Säuslerinnen muss sie sich dabei wahrlich nicht verstecken. Ja, man kann bezaubert sein von dieser mädchenhaften Anmut. Das Instrumentale der Musik ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben; ob am Flügel oder am Fender Rhodes, stets gelingen Olivia Trummer adäquate Soli und eine sensibel pointierte Begleitung; großartig auch die Beiträge des Posaunisten Johannes Lauer, des Kontrabassisten Martin Gjakonovski und des überragenden Bodek Janke am Schlagzeug.
Und doch verstört, dass auch Olivia Trummer mitunter nach einer imaginären, jazzenden Nena klingt, die sich an dem Girlie-Sound einer Astrid Gilberto versucht. Man kennt das Phänomen von der deutsch singenden Céline Rudolf. Aber es muss doch auch diesseits der Grenze zur lolitahaften Stimmgrenze eine Möglichkeit geben, songgerecht auf Deutsch zu singen! Olivia Trummer hätte die besten Voraussetzungen dafür. Nehmen wir ihr Poesiealbum als Versprechen für die Zukunft und geben ihr den vierten Notenpunkt!

Thomas Fitterling, 17.12.2011



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