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40

Joey DeFrancesco

Zyx/High Note HCD 7226
(59 Min., 6/2011)

Jetzt also ist Joey DeFrancesco 40 Jahre alt geworden. Ein Schwergewicht wäre der Organist auch ohne sein beträchtliches Übergewicht. Mit Miles Davis war er auf Tour, John McLaughlins Trio „Free Spirits“ machte ihn zum internationalen Star, und David Sanborn sowie Dutzende anderer Stars greifen gerne auf ihn zurück, wenn sie den Sound einer Hammond oder der von ihm mit entwickelten Numa wünschen. Unter eigenem Namen ist er kein Innovator; seine Stärke sind die tradierten, von kleinen Schlenkern verzierten Läufe, die stehenden Töne, das instrumentale Fauchen und eine gediegene Fußbassbegleitung. Auch der Gitarrist Rick Zunigar und der Schlagzeuger Ramon Banda stehen in der in den 1950ern begründeten, swingenden Traditionslinie.
So ergänzen sich DeFrancescos Sounds mit den Saitenakkorden, während er andererseits die Single-Note Soli Zunigars aus dem Hintergrund stützt. Banda jedoch verlässt jenes glorreiche Orgeljahrzehnt und schlägt mit der Rock- und Funk-Drive die Helden von damals. Sechs eigene Stücke hat er für das Geburtstagsalbum komponiert – jedes stellt eine andere Facette des Orgelspiels ins Zentrum. Mit dem mächtig groovenden „I’ve Got A Woman“ huldigt er zudem Ray Charles, „One Hundred Ways“ bringt den Soulfunk der 1960er ins Spiel und „Caruso“ ist ein superschmalziger Orgelsolo-Rausschmeißer mit herzerweichenden Crescendi, bei dem das Geburtstagskind am Instrument in allen Lagen und Registrierungen schwelgt. Das kann man verstehen, und dass er nicht übermäßig sicher in „Gloria“ singt, muss man als gut gemeinten, aber beträchtlichen Fehltritt entschuldigen.

Werner Stiefele, 19.11.2011



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