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Art Of The Duo: Is There A Life After Bradley’s?

Uli Lenz, Ed Schuller

Tutu/Fenn 888238
(78 Min., 10/2010)

Bradley’s, das war jener Club in New York, in dem von 1969 bis 1996 fast ausschließlich Klavier/Kontrabass-Duos auftraten. Die großen Pianisten gaben sich dort vor einem kleinen, konzentriert zuhörenden Publikum ein Stelldichein. Es ist passend, dass die beiden Wahlberliner – geborener Frankfurter der Pianist Uli Lenz und New Yorker der Bassist Ed Schuller – auf die legendäre Spielstätte Bezug nehmen. Ihr Duo fügt sich in das klassisch moderne Programmspektrum des Bradley’s, und ihre CD entstand live in dem relativ intimen Rahmen des rumänischen Kulturinstituts in Berlin. Zehn Originals umfasst das Album. Die des Bassisten sind vorwiegend kürzelhaft linear, und die des Pianisten folgen eher komplexen harmonischen Strukturen. Man spürt, dass die beiden ein eingespieltes und doch risikofreudiges Team bilden. Der Powerrhythmiker Schuller, sonst ein Mann mit stählernem Zugriff, geht weitgehend in einer kooperativ tragenden Rolle auf. Auch Uli Lenz ist hier auffällig reserviert. Er zelebriert überwiegend eine an Hank Jones und Tommy Flanagan gemahnende Sophistication, selten lodert Feuer, selten erhebt sich – eigentlich Lenz-typisch ‒ ein schräg flirrender Diskant über McCoy Tyner’schen Voicings. Ed Schullers mitunter doch recht nerviges Mitsingen bei fast jedem seiner Soli hat da etwas von Anfachensbemühungen. Dennoch haben die beiden ein wirklich gutes Bradley’s-Konzert gespielt. Das große Potenzial ihrer Duo-Kunst bleibt aber von einer sorgsamen Studioproduktion noch auszuloten.

Thomas Fitterling, 12.11.2011



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