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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Luigi Boccherini

Streichquintette C-Dur op. 30/VI („La musica notturna delle strade di Madrid“) und E-Dur op. 11/V, Streichquartett g-Moll op. 32/V, Gitarrenquintett Nr. 6 D-Dur

Cuarteto Casals, Eckart Runge, Carles Trepat, Daniel Tummer

harmonia mundi HMC 902092
(77 Min., 9/2010)

Welche „Nachtmusik“ hört man heute in den Straßen von Madrid, der lautesten Stadt Europas? Trash à la John Zorn? Jedenfalls wohl kaum die „Musica notturna delle strade di Madrid“ C-Dur, die Boccherini 1780 zur Unterhaltung seines Brotgebers, des Infanten Luis, schrieb. Allerdings ist auch sie kein gelehrter Langweiler, sondern eine aufregende Tonmalerei für fünf Streicher, die den Unbedarften zweifeln lässt: Das soll der gefällige „Menuett“-Schreiber komponiert haben, und das auch noch vor 230 Jahren?! Das auf dem gezupften Cello imitierte Ave Maria-Läuten, die mit Fingernägeln geschlagenen Menuett-Saiten der blinden Bettler, der klampfende Auftritt der geckenhaften „Manolos“, das tonrepetierende Trommelrühren, schließlich die Zapfenstreich-„Ritirata“: Das um Eckart Runge erweiterte Cuarteto Casals packt Boccherinis Programmmusik mit Lust und Klangfarbenraffinement an. Letzteres zeichnet auch die anderen „Hits“ aus, in erster Linie (natürlich) das E-Dur-Quintett von 1771 mit jenem „Minuetto“, das jeder TV-Werbe-Gucker kennt. Und dessen bezaubernde Anmut trotzdem nicht totzukriegen ist, jedenfalls nicht, wenn die (gedämpfte) „con sordino“-Vorgabe derart elfengleich luftig eingelöst wird wie hier von den Casals. Selbstverständlich dürfen auch das transkribierte D-Dur-Gitarrenquintett und dessen Fandango nicht fehlen. Für die Casals, den Gitarristen Carles Trepat und den Kastagnettenzauberer Daniel Tummer ist dieser Singtanz mehr als nur das funkensprühende Klischee von der blutroten Rioja-Seele, die man auf den großen Plazas Madrids feiert; die vielen pianissimo-Zwischentöne, darunter zittrige Cello-Glissandi, führen den erhitzten Hörer auch in geheimnisvolle, dunkle Hinterhöfe. Schließlich sollte man das aufwühlende g-Moll-Opus nicht überhören, das seinen Schöpfer als formidablen, Haydn-ebenbürtigen Quartett-Setzer zu erkennen gibt. Und seine Interpreten als makellose, einfühlsame Boccherinisti, denen auch die kleinste Seelenregung ihres Wahlspaniers nicht entgeht.

Christoph Braun, 29.10.2011



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