Responsive image

Navidad de Los Andes

Dino Saluzzi

ECM/ Universal 2776928
(61 Min., 7/2010)

Bandoneon und Cello, beide Instrumente sind der menschlichen Stimme besonders nahe, verfügen über eine quasi überhöhte Möglichkeit des vokalen Ausdrucks. Das Bandoneon vermag zu jubilieren und zu schluchzen, und das Cello ist zu kraftvoll betörendem Sange fähig. Der legendäre Bandoneonspieler Dino Saluzzi und die ganz großartige Cellistin Anja Lechner sind denn auch das eigentliche Spannungszentrum der Besetzung, die diese CD mit dem etwas verwirrenden Titel von der Andenweihnacht eingespielt hat. Auf mehreren Titeln wird das Duo durch Felix Saluzzi ergänzt, Dinos neun Jahre jüngeren, Klarinette und Tenorsaxofon spielenden Bruder. Wenn etwas weihnachtlich an dieser Musik ist, dann nur ihre äußerste Besinnlichtkeit. Bandoneon und Cello beschwören in delikater Reduktion konzentriertes Melos zu flächiger Schichtung. Nur gelegentlich führen verhaltene Bläserkommentare aus dem intimen Miteinander. Erst gegen Mitte des Programms gibt es zunehmend rhythmisch konturierte Verdichtungen mit eindeutigen Verweisen auf den Tango. Und ebenso organisch, wie diese Verdichtung erwächst, löst sie sich dann wieder zum Ende des Programms. Dies ist Musik von der Magie, die tatsächlich nichts verändert und am Ende doch alles verzaubert. Umso störender ist die tätliche Bemühtheit der suggestiv gemeinten Stimmungsgeräusche zu Beginn des ersten Stückes.

Thomas Fitterling, 01.10.2011



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top