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Johann Ludwig Bach

Trauermusik, Motetten, Kantaten, Missa Brevis

Mária Zádori, Guy de Mey, Klaus Mertens u.a., Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max

Capriccio/Naxos C5080
(212 Min., 10/1993 & 4/1994)

Es wirkt fast ein wenig trotzig: Kurz nachdem der RIAS-Kammerchor seine hochgelobte Einspielung von Johann Ludwig Bachs Trauermusik auf Herzog Ernst Ludwig von Sachsen-Meiningen herausgebracht hat, legen Hermann Max und die Rheinische Kantorei mit der Wiederveröffentlichung ihrer 1994 entstandenen Interpretation derselben Trauermusik nach. Mit in die Box packen sie alle Einspielungen weiterer Hauptwerke dieses ebenso entfernten wie genialen Vetters von Johann Sebastian Bach. Mögen sie bei vergleichbarer Präzision und hoher Transparenz in der emotionalen Intensität ein kleines Stück weit hinter den besten Paralleleinspielungen zurückbleiben (zu denen auch Thomas Hengelbrocks sowie Florian Heyericks Lesarten der Motette „Wir wissen, so unser irdisches Haus“ gehören) ‒ für die repräsentative Auswahl der Höhepunkte aus dem schmalen erhaltenen Œuvre Johann Ludwigs muss man ihnen dankbar sein. Ganz deutlich liegt Bachs überragende Bedeutung in den doppelchörig-dialogisch angelegten Werken: der Trauermusik von 1724, der Messe über den Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ von 1716 sowie in einigen seiner Motetten. In allen diesen Werken stellt er den archaischen Chorälen seiner Vorväter die eindringliche und bisweilen gar modisch-galante Melodik seiner Zeit gegenüber und lässt die Texte sich dabei gegenseitig erhellen. Seine eigentlich moderneren Kantaten wirken bei aller Schönheit konventioneller, weil ihnen dieses Spannungsverhältnis zwischen Alt und Neu fehlt. Wer Johann Ludwig Bach in allen Facetten seiner Kunst kennenlernen möchte und wem „untadelig“ als Lob für eine Interpretation genügt, dem sei dieses bisher umfassendste Portrait des Komponisten ans Herz gelegt.

Carsten Niemann, 24.09.2011



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